Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem "Navi" Pillay. Das teilte das norwegische Nobelkomitee am in Oslo mit. Die südafrikanische Juristin mit indischen Wurzeln werde für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid gewürdigt, sagte der Komiteevorsitzende Jorgen Watne Frydnes.
Pillay wurde 1995 an das Obere Gericht in Südafrika berufen, fünf Jahre später wurde sie Richterin und Vorsitzende des Internationalen Tribunals für Ruanda. Von 2008 bis 2014 war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Auf die Ehrung mit dem Friedensnobelpreis hatte die 85-Jährge zunächst erstaunt und ungläubig reagiert. "Als Juristin und Richterin möchte ich das noch überprüfen", so Pillay, nachdem sie während einer Tagung in Nürnberg über die Auszeichnung informiert wurde. "Ich hoffe, das ist kein Scherz."
Die Richterin nahm in der bayerischen Stadt an einer Tagung zum 80. Jubiläum der Verabschiedung der Charta der Vereinten Nationen teil, die von der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien ausgerichtet wurde. Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnes Callamard, die ebenfalls zugegen war, teilte eine Aufnahme von Pillays Reaktion auf der Plattform X. Es sei sehr passend, in diesem Moment mit Freunden in Kollegen zu sein, die sich ebenso für Menschenrechte einsetzen, sagte die Nobelpreisträgerin.
Bericht zu palästinensischen Gebieten
Zuletzt habe sie den Bericht einer von ihr geleiteten Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten veröffentlicht, in dem die dortigen Ereignisse als Völkermord benannt worden seien, sagte Pillay. Sie sei sehr verwundert darüber, dass sie in den meisten Reaktionen auf den Bericht als mutig bezeichnet worden sei. "Warum sollte es Mut brauchen, um die Wahrheit zu sagen? Man legt das Gesetz aus, man betrachtet alle Fakten - es ist also eine unparteiische Entscheidungsfindung."
Sie werde andauernd gefragt, wann sie den aufhöre. Derzeit sei sie noch als Richterin in dem von Gambia angestrengten Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Menschenrechtsverletzungen in Myanmar involviert. Und auch bei der Nürnberger Akademie, wo sie mehrere Jahre Kuratoriumsvorsitzende war, könne sie keinesfalls ihre Arbeit niederlegen, "wegen der Menschen, die wir hier brauchen".
Der Friedensnobelpreis gilt als die weltweit wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Abrüstung, Friedenssicherung und Menschenrechte. Der Preis wird vom norwegischen Nobelkomitee vergeben, das vom Parlament in Oslo eingesetzt wurde. Gestiftet wurde der Preis vom schwedischen Unternehmer und Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896).
Zwölf Millionen Schwedische Kronen
In diesem Jahr ist der Friedensnobelpreis mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen (etwas über eine Million Euro) dotiert. 287 Kandidatinnen und Kandidaten waren nominiert, darunter 79 Organisationen. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado ausgezeichnet.




