Zum dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft vor wachsendem Judenhass in der Gesellschaft gewarnt. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, die "Welle des antisemitischen Hasses", der sich weltweit zeige, bedrohe Jüdinnen und Juden zunehmend in ihren Lebensräumen. Sie denke an die Überlebenden und Angehörigen des Terroranschlags, die bis heute mit Trauer und den Folgen des Erlittenen lebten, sagte die Hamburger Bischöfin am Dienstag laut einer Pressemitteilung der EKD.
Angesichts der Zunahme antisemitischer Straftaten sprach Außenminister Johann Wadephul (CDU) von einer "katastrophalen Fehlentwicklung". Dass Jüdinnen und Juden in Deutschland inzwischen besonderen Schutz benötigten und sich etwa in Berlin "mit einer Kippa wirklich nicht richtig gut in allen Stadtteilen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen können", sei mehr als besorgniserregend, sagte Wadephul am Montagabend in der n-tv-Sendung "Pinar Atalay": "Das hat Elemente eines kollektiven Versagens." 2025 hatten deutsche Behörden rund 6.550 antisemitische Straftaten verzeichnet, ein Anstieg von rund fünf Prozent gegenüber 2024.
Latzel: "Jüdisches Leben gehört zu Deutschland"
Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, kritisierte den zunehmenden Antisemitismus. Es sei "unerträglich", dass jüdische Menschen in Deutschland immer mehr Angriffen ausgesetzt seien, heißt es in der Pressemitteilung. "Um das klar zu sagen: Jüdisches Leben gehört unauflöslich zu Deutschland und darf von niemandem infrage gestellt werden. Nicht von rechts, nicht von links, nicht aus religiösen Gründen", sagte Latzel.
Der 7. Oktober sei auch für Jüdinnen und Juden in Deutschland bis heute "ein tiefes Trauma", sagte der Präses der zweitgrößten evangelischen Landeskirche. Die Erinnerung daran solle alle Menschen mahnen, dem Hass zu widersprechen.
Auch Solidarität mit Palästinensern
Bischöfin Fehrs verwies auch auf das Leid der palästinensischen Bevölkerung im Gaza-Streifen. Die Trauer um die Opfer des 7. Oktobers werde nicht kleiner, wenn zugleich der Opfer des Krieges in Gaza gedacht werde, sagte sie. Beides dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden. "Unsere Anteilnahme am Leid dieser palästinensischen Bevölkerung nimmt nichts von unserer Solidarität mit den Menschen in Israel."
Der Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel mahnte, dass die Opfer des antisemitischen Terrors der Hamas und die Opfer des Gaza-Krieges nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Beide Opfergruppen sollten zudem nicht politisch instrumentalisiert werden, weder bei Demonstrationen noch in Kommentarspalten bei Social Media, sagte er.
Beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 waren rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 240 in den Gaza-Streifen verschleppt worden. Die Attacke gilt als der größte Massenmord an Juden seit dem Holocaust. Der Angriff führte zum Krieg zwischen Israel und der Hamas, dem im Gaza-Streifen Zehntausende Menschen zum Opfer fielen.




