Weimar (epd). Nach achtjähriger Sanierung wird der Ostflügel des Stadtschlosses in Weimar ab Freitag wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Besucherzentrum, Veranstaltungssaal und einer neuen Dauerausstellung soll das Residenzschloss künftig stärker als Ort der Vermittlung von Geschichte und Kultur genutzt werden, sagte die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, am Mittwoch vor Ort.
Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung stehen laut Stiftung das Stadtschloss und seine Funktionen. Gezeigt werden etwa das Genz’sche Treppenhaus, der Festsaal und andere restaurierte Räume. Bewusst seien die Spuren von Umbauten früherer Jahrhunderte sichtbar gelassen worden.
Mythos der Klassik und dessen spätere Vermarktung
Thüringens Kulturminister Christian Tischner (CDU) betonte, mit dem Stadtschloss erhalte Weimar einen seiner bedeutendsten Kulturorte zurück. Bund und Land hätten bewusst nicht nur in die historische Substanz, sondern ebenso in die kulturelle Bildung und Begegnung investiert. In die Sanierung des Ostflügels flossen insgesamt 56 Millionen Euro.
Im Kanon der Stiftungsmuseen soll dem Stadtschloss die Funktion einer Anlaufstelle und Verteilstation zukommen. Direktorin Annette Ludwig sagte, die Ausstellung gebe mit herausragenden Exponaten aus den zahlreichen Sammlungen einen Überblick mit Kunst aller Gattungen. Sie veranschauliche, was die Weimarer Klassik ausmache und wie sie vom Schloss aus im 19. Jahrhundert entwickelt worden sei. Damit schließe das Schloss eine lange bestehende Lücke, indem es Neues und Unbekanntes frisch restauriert, neu erforscht und zeitgemäß präsentiert zeige.
Historische Exponate und Medienstationen
Die Ausstellung stellt nach den Plänen der Stiftung das Schloss als politischen und institutionellen Ort der Weimarer Klassik vor. Entstanden sei diese allerdings vor allem in den Dichterhäusern. Im Stadtschloss sei die Epoche im 19. Jahrhundert zunehmend als kulturelles Erbe wahrgenommen und gefördert worden. In den 1840er Jahren entstanden die Dichterzimmer im Westflügel, später wurden das Goethe-Nationalmuseum und das Goethe- und Schiller-Archiv aufgebaut. Diese Entwicklung soll die Ausstellung nachvollziehbar machen.
Die Schau verbindet den Angaben zufolge historische Exponate mit Medienstationen. Der zeitliche Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit dieser literaturgeschichtlichen Epoche reiche von der Entstehung des heutigen Schlosses in den 1770er Jahren bis zum Ende der Monarchie im November 1918.
NS-Bunker im Untergeschoss
Gerade die Niederlage im Ersten Weltkrieg ist laut dem Kustoden Sebastian Dohe der große Bruch in der Geschichte des Schlosses, für den die Weimarer Klassik ebenfalls eine Rolle gespielt habe. Die Epoche der Literaturgeschichte sei zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend aggressiv nationalistisch umgedeutet worden und habe den Krieg damit zumindest befördert.
Abseits der eigentlichen Ausstellung wird auch die NS-Zeit im Untergeschoss thematisiert. Wo Besuchende der Ausstellung ihre Taschen einschließen, ist ein Führungsbunker aus der Zeit der nationalsozialistischen Gauleitung erhalten. Auch hierzu gibt es laut Dohe eine Medienstation




