Düsseldorf (epd). Der nordrhein-westfälische Landtag erinnert mit einem neuen Gedenkort an frühere Abgeordnete, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Unter dem Titel „Sei ein Mensch“ werden in der Wandelhalle des Parlaments die Lebensgeschichten von Frauen und Männern erzählt, die unter den Nationalsozialisten litten und später am Aufbau der Demokratie im Land mitwirkten. Darunter sind nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) auch bundesweit bekannte Politiker wie der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU).
Ein zentraler Baustein ist die Stelen-Installation „Widerstände“ des Künstlers Tristan Ulysses Hutgens, die das Spannungsfeld zwischen Gehorsam und Widerstand thematisiert. Ein ergänzendes digitales Angebot dokumentiert im Parlamentsgebäude in Düsseldorf die Biografien von 81 ehemaligen Abgeordneten anhand historischer Quellen wie Fotos, Briefe und Haftbefehle. Das Projekt basiert auf mehrjährigen wissenschaftlichen Recherchen von Historikern zu den Abgeordneten der ersten Landtage von Nordrhein-Westfalen.
Fortlaufende Erweiterung des Gedenkorts
Für Landtagspräsident André Kuper (CDU) ist der Gedenkort mehr als ein Blick in die Vergangenheit. „Die Lebensgeschichten der verfolgten Abgeordneten zeigen, wie Menschen Diktatur, Ausgrenzung und Unfreiheit erlitten haben und wie aus dieser Erfahrung der unbedingte Wille zu Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit erwachsen ist“, sagt er. Demokratie brauche Menschen, die Haltung zeigen. Deshalb stehe dieser Ort unter dem „einfachen, aber zeitlosen Gebot 'Sei ein Mensch'“.
Der neue Erinnerungsort kann fortlaufend erweitert werden. So können Archive, Schulen und Angehörige eigene Dokumente und Forschungsergebnisse beisteuern. Kuper eröffnet den Gedenkort in der Festwoche vom 5. bis 11. Oktober zum 80-jährigen Bestehen des Landtags. Das Landesparlament, damals noch von der britischen Militärregierung ernannt, war am 2. Oktober 1946 erstmals zusammengetreten.




