Santiago de Chile, Quito (epd). Die ecuadorianische Nationalversammlung hat ein neues Gesetz zur Bekämpfung der Rekrutierung von Minderjährigen durch kriminelle Banden beschlossen. Die Tageszeitung „Primicias“ berichtete am Dienstag (Ortszeit), dass 88 der insgesamt 151 Abgeordneten für die Gesetzesinitiative der rechten Regierungspartei Acción Democrática Nacional (ADN) stimmten. Der Staat kann künftig Webseiten und IP-Adressen sperren, von denen aus Minderjährige für kriminelle Banden rekrutiert werden. Das maximale Strafmaß für die Rekrutierung von Minderjährigen wurde von 13 auf 26 Jahre angehoben.
Die ADN-Parlamentarierin Annabella Azín sagte in der Debatte: „Töchter von Kriminellen rufen mit Geld die Jugend auf, Gesetze zu brechen. Hier muss der Staat eingreifen.“ Insbesondere das Internet sei zu einem wichtigen Ort geworden, über den kriminelle Banden Minderjährige rekrutieren.
Oppositionelle Abgeordnete spricht von „Strafpopulismus“
Der oppositionelle Abgeordnete Blasco Luna kritisierte die Initiative hingegen als „Strafpopulismus“. Statt höhere Strafen zu ermöglichen, müsse der Staat öffentliche Gelder in die Unterstützung schutzbedürftiger Kinder und Jugendliche stecken, sagte Luna laut „Primicias“.
Ecuador steckt in einer schweren Sicherheitskrise. Das Land ist zum Exporthafen für Drogen aus Südamerika unter anderem für den europäischen Markt geworden. Der seit 2023 regierende Präsident Daniel Noboa hat weitgehend ohne Erfolg das Militär gegen kriminelle Banden eingesetzt.
Die Gewalt trifft dabei zunehmend auch Minderjährige. Laut einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef wurden 2024 insgesamt 412 Minderjährige ermordet. Das sei ein Anstieg um 521 Prozent gegenüber dem Jahr 2021. Offizielle Zahlen zur Rekrutierung Minderjähriger gibt es nicht.




