TV-Tipp: "Blackbird"

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30. September, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Blackbird"
Matthias Brandts Roman "Blackbird" kommt ins Fernsehen: Eine berührende Geschichte über Freundschaft, erste Liebe und die Härten des Erwachsenwerdens, stimmungsvoll inszeniert und mit viel Zeitkolorit der späten Siebziger.

Anfangs war er vor allem Sohn, dann kamen die ersten Auszeichnungen. Seit vielen Jahren gehört Matthias Brandt zu den gefragtesten deutschen Schauspielern. Dass sein Vater Willy Brandt war, wird mittlerweile nur noch in Porträts erwähnt. Was viele jedoch nicht wissen: Brandt, Jahrgang 1971, ist auch ein vorzüglicher Autor, der jedoch offenbar viel zu selten zum Schreiben kommt.

"Nein sagen" (2026) über seine Rede zum Gedenktag der Anschläge vom 20. Juli 1944 steht schon seit Monaten auf den Bestsellerlisten. Sein Debüt als Schriftsteller war eine Sammlung von Kurzgeschichten mit Kindheitserinnerungen ("Raumpatrouille", 2016). Drei Jahre später ist "Blackbird" erschienen (alle bei Kiepenheuer & Witsch), ein Buch, das all’ den Weltschmerz einfängt, wie man ihn nur als Teenager empfinden kann; eigentlich erstaunlich, dass der Roman erst jetzt verfilmt worden ist.

Bei David Ungureit ist die Geschichte in den besten Händen. In seinen oftmals heiteren Drehbüchern geht es regelmäßig auf durchaus anspruchsvolle Weise auch um die Dinge des Lebens; fürs ZDF hat er unter anderem Jan Weilers Roman "Das Pubertier" adaptiert (2017). "Blackbird" hat ebenfalls lustige Momente, aber im Großen und Ganzen ist Jugend nicht witzig, erst recht nicht, wenn das Schicksal so erbarmungslos ist wie bei Morten, den alle bloß Motte nennen. Der als lange Rückblende konzipierte Film spielt Ende der Siebziger.

Motte wohnt in einer westdeutschen Kleinstadt und erfreut sich mit seinem besten Freund Bogi an all’ den Dingen, die das Dasein zu bieten hat, wenn man 15 oder 16 ist und das ganze Leben noch vor einem liegt. Wie trügerisch diese Gewissheit ist, erfahren die beiden auf denkbar schmerzliche Weise: Plötzlich muss Bogi in die Klinik. Er leidet an einer Krankheit, von der Motte noch nie gehört hat; das sind erfahrungsgemäß die schlimmsten. Kurz zuvor haben sich zudem seine Eltern getrennt, außerdem hat er sich in das falsche Mädchen verliebt; kein Wunder, dass der Junge von der Gesamtsituation komplett überfordert ist.

Der Film beginnt in der Gegenwart. Der erwachsene Morten erklimmt ein letztes Mal den Sprungturm des örtlichen Freibads. Hier fand seine Jugend einst ihr Ende, und womöglich wäre es noch schlimmer gekommen, wenn ihn Bademeister Elvis (Alexander Scheer) nicht gerettet hätte. Das Freibad ist schon lange geschlossen, der Turm und somit auch das Symbol jener zunächst unbeschwerten, dann jedoch zunehmend schwierigen Zeit soll abgerissen werden.

Morten gibt sich zunächst seinen Erinnerungen hin und erzählt dann einer Frau, die sich als Elvis’ Tochter entpuppt, was sich damals zugetragen hat. Natürlich hätte auch Brandt diese Rolle spielen können, aber mit Bjarne Mädel, der zudem als Erzähler durch den Film führt, ist Morten nicht minder vortrefflich besetzt, selbst wenn er genau genommen ein bisschen zu jung ist (Jahrgang 1968).

Die Altersfrage gilt aber auch dem Publikum. "Blackbird" ist gerade dank der sensiblen Umsetzung durch Max Zähle ungemein berührend, doch der Film entfaltet seine ganze Wirkung vor allem bei jenen, die zur gleichen Generation wie Brandt gehören. Schon allein die Musikauswahl mit Klassikern von The Sweet, The Clash, The Cure, Lou Reed und allen voran David Bowie, dessen Album "Low" (1977) und insbesondere das Lied "Sound and Vision" eine besondere Rolle spielen, sorgt dafür, dass sich das Lebensgefühl der späten Siebziger umgehend einstellt.

Szenen- und Kostümbild tun ein Übriges, zumal Zähle sorgsam auf Stimmigkeit und Glaubwürdigkeit geachtet hat. Deshalb fehlt dem Film auch die für diese Zeit vermeintlich typische Buntheit, die Bilder sind im Gegenteil irritierend düster (Kamera: Frank Küpper). Der Flachdachbungalow von Mottes Eltern wirkt daher regelrecht trostlos, was natürlich komplett der Stimmung entspricht; auch das Krankenhaus ist kein Ort, der zum Verweilen einlädt.

Umso erfrischender sind die Auftritte von Steffi. Ungureit hat die mit viel Witz und Verstand versehene Figur gegenüber dem Buch deutlich aufgewertet. Die angehende Schornsteigerfegerin ist als Glücksbringerin immer da, wenn Motte sie braucht; das Trio Holle Kirck, Timothy Scannel (Motte) und Albert Lichtenstern (Bogi) hat seine Aufgaben mit einer nachwuchspreiswürdigen Selbstverständlichkeit gemeistert.

Zähle hat unter anderem Episoden für bemerkenswerte Serien wie "Der Greif" (2023, Amazon) oder "Achtsam Morden" (2024, Netflix) gedreht. Sein Meisterstück nach dem originellen Regiedebüt "Schrotten!" (2016) war jedoch "Limbus" (2020); der Krimi aus Münster ist bis heute einer der ungewöhnlichsten "Tatort"-Beiträge überhaupt.