Fake-News-Video aus Dresdner Kirche kursiert im Internet

Sächsische Landeskirche erwägt derzeit keine rechtlichen Schritte
Die  Apsis der Martin-Luther-Kirche in Dresden

Foto: Von Oktobersonne/CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36168531

Die Apsis der Martin-Luther-Kirche in Dresden.

Eritreische Christen sind in Dresden bei einem Gottesdienst unfreiwillig gefilmt worden. In dem Internet-Videoclip werden sie als "Muslime in der Kirche" bezeichnet. Das sorgt für Hasskommentare. Die Kirche reagiert besonnen.

Ein im Internet veröffentlichtes Video über ein angebliches Gebet von Muslimen in der Dresdner Martin-Luther-Kirche sorgt für Aufregung. Der gut zwei Minuten lange Clip mit liturgischen Gesängen eines Gottesdienstes eritreischer Christen war am Montag über soziale Netzwerke verbreitet und mit den Worten "Unglaublich! Islamische Gebete in der #Lutherkirche #Dresden" untertitelt worden. Damit werde der Anschein erweckt, Muslime würden in einer Kirche feiern.

Mit dem Video sei eine "oberflächliche Beobachtung ohne Wissenshintergrund" verbreitet worden, sagte Matthias Oelke, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Dresden. Die in dem Film überbrachte Botschaft sei "eine klare Falschaussage, auf die man eigentlich nur sachlich reagieren kann und muss". Der Beitrag zeuge von "religiösem Analphabetismus". Ob es sich bei dem Video um einen "bösen Vorsatz" handele, sei nicht klar. Das Fake-News-Video wurde im Netz zigfach islamfeindlich kommentiert.

Zunächst keine rechtlichen Schritte

Die sächsische Landeskirche hat nun juristische Konsequenzen geprüft. Es würden zunächst "keine rechtlichen Schritte ergriffen", sagte Juristin Viola Vogel vom Landeskirchenamt in Dresden dem epd. In den sozialen Netzwerken habe die Landeskirche klargestellt, dass es sich bei den im Video gezeigten Gottesdienstbesuchern nicht um Muslime handelt, sondern um eritreische Christen. Sie hätten in der Martin-Luther-Kirche das orthodoxe Osterfest gefeiert.

Auch die in Dresden erscheinende "Sächsische Zeitung" (Mittwoch) hatte von dem Video berichtet. Die eritreischen Christen hätten in der evangelischen Kirche in der Dresdner Neustadt seit dem vergangenen Jahr Gastrecht und laden wöchentlich zu Gottesdiensten ein, zitiert die Zeitung den Pfarrer der Lutherkirchgemeinde, Eckehard Möller.

Die Gottesdienstteilnehmer waren offenbar ungefragt gefilmt worden, sagte Möller dem epd. Das Vorgehen bezeichnete er als "unverfroren". Am Kircheneingang sei ein Schild mit dem Hinweis auf den Gottesdienst der eritreischen Christen befestigt gewesen. Das habe die Filmerin, deren Stimme im Video zu hören ist, offenbar "nicht wahrhaben wollen", sagte Möller.

Nach dem Bericht der "Sächsischen Zeitung" handelt es sich bei den Urhebern des Videos um mutmaßliche Rechtsextreme. Der Mitschnitt des Gottesdienstes war unter anderem auf der Facebookseite aufgetaucht, die den Namen des ehemaligen Bautzener NPD-Kreischefs Marco Wruck trägt. Geteilt wurde das Video auch vom Dresdner AfD-Mitglied Maximilian Krah, der den Beitrag aber zwischenzeitlich wieder gelöscht hat.

Wie die "Dresdner Neuesten Nachrichten" am Dienstag auf ihrer Online-Seite berichteten, wurde in einigen Hasskommentaren zu dem Video behauptet, dass Christen keinen Zutritt mehr zur Martin-Luther-Kirche hätten und jetzt dort der Muezzin "rumschreit". 

Die eritreische Kirche ist eine altorientalische Kirche und damit eine der ältesten christlichen Konfessionen. Es gibt enge Verflechtungen zur orthodoxen Kirche in Äthiopien und zur koptischen Kirche in Ägypten. Eritreischen Christen zählen zur sogenannten Ostkirche und orientieren sich am Julianischen Kalender, nachdem fiel in diesem Jahr der Ostersonntag auf den 8. April.