TV-Tipp: "Der Bozen-Krimi: In der Falle" (ARD)

12.10., ARD, 20.15 Uhr: "Der Bozen-Krimi: In der Falle"
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Handwerklich ist "In der Falle" guter Krimi-Durchschnitt, zumal es diesmal im Unterschied zum vierten Teil keine darstellerischen Aussetzer gibt. Dank der Musik (Axel Donner) wirkt die Mordebene spannender, als sie eigentlich ist; die Bildgestaltung von Regisseur Thorsten Näters Stammkameramann Achim Hasse ist vor allem wegen der Lichtsetzung interessant.

Auch der fünfte "Bozen-Krimi" bleibt dem Muster der Parallelerzählung treu: hier die Fortsetzung der bisherigen Ereignisse, dort ein aktueller Mordfall. Am großen Manko der Reihe hat sich allerdings ebenfalls nichts geändert. Die Suche von Commissario Sonja Schwarz (Chiara Schoras) nach dem Mörder einer Erntehelferin ist bei weitem nicht so spannend wie die horizontale Handlung: Der von der Kommissarin gestürzte Kommunalpolitiker Stefan Keller (Heio von Stetten) hat ihre Stieftochter Laura (Charleen Deetz) entführt, um seine Frau (Julia Stemberger) aus dem Gefängnis freizupressen. Diese Ebene des Films ist schon allein wegen des emotionalen Ausnahmezustands der Heldin ungleich packender als der Rest der Geschichte. Regisseur Thorsten Näter hat mit Ausnahme des ersten Films alle "Bozen-Krimis" inszeniert und diesmal zudem Jürgen Werner als Drehbuchautor abgelöst. Anders als in der letzten Episode ("Am Abgrund") ist das angesichts der komplexen personellen Struktur unvermeidliche "Was bisher geschah" viel eleganter in Handlung und Dialoge integriert. Den wunden Punkt des schwachen Zweitfalls aber hat auch Näter nicht vermeiden können: Die Mördersuche ist nur quantitativ gleichwertig, qualitativ bleibt sie ein Nebenschauplatz, selbst wenn Näter versucht, dieser Ebene mit einer alten Fehde zwischen Weinbauer Kofler (Anton Algrang) und seinem Stiefvater (der nächste Tote) größere Komplexität zu verleihen. Dass Laura nach einem Besuch bei den Koflers den nächtlichen Fußweg durch die Weinberge nimmt, obwohl auf dem Betriebsgelände kurz zuvor eine Frau ermordet worden ist, klingt weit hergeholt und ist tatsächlich bloß ein Drehbuchvorwand, damit Keller das Mädchen in aller Ruhe entführen kann.

Immerhin ist es Näter besser als zuletzt gelungen, die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, sodass der in sich abgeschlossene Teil des Films nicht wie ein Fremdkörper wirkt; aber natürlich sorgt die persönliche Betroffenheit der Hauptfigur für eine deutlich höhere Spannung. Auch die Besetzung verdeutlicht den Unterschied, zumal Näter das Format um eine interessante Figur erweitert: Mafia-Jägerin Carla Pisani (Jeanette Hain) war einst die Partnerin von Schwarz-Chef Zanchetti (Tobias Oertel) und ist nach Bozen gekommen, um seine Kontakte zum Bozener Statthalter (Thomas Sarbacher) der Cosa Nostra zu untersuchen; außerdem hat sie noch eine alte Rechnung mit Zanchetti offen. Die neue Figur ist Näters beste Idee, denn sie sorgt dafür, dass sich der Aggregatzustand zwischen den anderen Polizisten verändert: Das Eindringen der von Jeanette Hain gewohnt unterkühlt und distanziert verkörperten Außenseiterin, die das Kommando an sich reißt, hat automatisch zur Folge, dass die Einheimischen enger zusammenrücken; selbst Schwarz und Zanchetti, anfangs als potenzielles Liebespaar eingeführt, bis ihre Beziehung von zunehmendem Misstrauen vergiftet wurde, begraben vorübergehend ihr Kriegsbeil.

Handwerklich ist "In der Falle" guter Krimi-Durchschnitt, zumal es diesmal im Unterschied zum vierten Teil keine darstellerischen Aussetzer gibt. Dank der Musik (Axel Donner) wirkt die Mordebene spannender, als sie eigentlich ist; die Bildgestaltung von Näters Stammkameramann Achim Hasse ist vor allem wegen der Lichtsetzung interessant. Der Film spart sich sinnfreie Kameraflüge über die imposante Landschaft, die dafür im letzten Akt umso mehr zur Geltung kommt, als Schwarz mit Charlotte Keller in die Berge fährt. Der etwas zu lange Schluss lebt ohnehin vom Schauplatz: Keller hält die entführte Laura in der Franzensfeste gefangen. Die riesige leerstehende Festung aus dem 19. Jahrhundert ist mit ihren Kavernen ein spektakulärer Drehort, den Näter und Hasse weidlich ausnutzen, als sich alle wichtigen Beteiligten zum Finale einfinden. Spätestens jetzt erweist sich auch die Personalunion Buch/Regie als Vorteil. Näter, der die Vorlagen für seine Filme ohnehin meist selbst verfasst, hatte die Franzensfeste bei Brixen entdeckt, sich erkundigt, ob er hier drehen könne, und den Ort erst dann in sein Drehbuch integriert.

Mit dem fünften Film ist ein Teil der horizontalen Handlung zu Ende erzählt; nun wäre Raum für neue Figuren und neue Geschichten. Ein Mafia-Thriller aber wird "Der Bozen-Krimi" wohl nicht mehr werden, obwohl die Voraussetzungen nach wir vor gut sind.

 

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