Mazyek findet, dass Parteien und Medien im Umgang mit der AfD Fehler gemacht haben

Eine Zeitung mit dem Titel "AfD in Sachsen stärkste Kraft".

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"Die AfD und Konsorten verstehen lernen, heißt eben nicht Verständnis ihr entgegenzubringen", erläuterte der Zentralratsvorsitzende Mazyek. Das müssten sowohl Politiker, als auch Journalisten besser machen in Zukunft.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, gibt sowohl den etablierten Parteien als auch den Medien eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl.

Manches, "was im Wahlkampf von den demokratischen Parteien zu hören war - wenn auch geschickter und versteckter - war AfD-Rhetorik und damit der Kotau vor diesen Ideologen", schreibt Mazyek in einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag auf "tagesspiegel.de". "Es ist erschreckend, wie einige Politiker tief gesunken sind, indem sie meinen, durch eine Kopie rassistischen Gedankengutes, Boden gutmachen zu können", argumentiert Mazyek. Am Ende stimme der Wähler aber nicht für die Kopie, sondern für das Original.

Bei der Bundestagswahl am Sonntag erhielt die AfD 12,6 Prozent der Zweitstimmen und gewann in Sachsen drei Direktmandate. Im neuen Parlament wird sie mit 94 Abgeordneten drittstärkste Kraft sein.

Mazyek, der auch Sprecher des Koordinationsrates der Muslime ist, wirft den Medien, insbesondere den öffentlichen-rechtlichen Sendern vor, die Grenzüberschreitungen der AfD für Aufmerksamkeit zu nutzen, ohne dass diese "wirkliche eine tiefe Ächtung" nach sich ziehen. Dann werde der "Rassist" wieder zu "hart aber fair" eingeladen, "obwohl er noch in der Vorwoche den ersten Artikel des Grundgesetzes 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' mit Füßen getreten hat". Zudem hätten die Moderatoren im Fernsehduell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) mehr als 50 von insgesamt 90 Minuten über Flüchtlinge und Islam diskutiert und damit die Themen der AfD in den Mittelpunkt gerückt.

"Die AfD hat das politische Klima schon verändert, sie ist dabei, es nun entscheidend zu vergiften", schreibt Mazyek. Ihr Einzug in den Bundestag sei eine Zäsur. Nun gelte es, die Auseinandersetzung mit der Partei nicht zu scheuen. "Die AfD und Konsorten verstehen lernen, heißt eben nicht Verständnis ihr entgegenzubringen", erläuterte der Zentralratsvorsitzende: "In der Vergangenheit hat manch ein Politiker oder Journalist dies nicht immer so sauber getrennt. Das kann man also besser machen."