TV-Tipp: "Tatort: Zwei Leben" (ARD)

17.9., ARD, 20.15 Uhr: "Tatort: Zwei Leben"
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Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

Die Krimis aus Luzern schaffen es einfach nicht über den "Tatort"-Durchschnitt; oft genug liegen sie sogar deutlich drunter. Das gilt auch für "Zwei Leben", obwohl der Film eine interessante Geschichte erzählt.

Als ein Selbstmörder nachts von einer Brücke gegen einen Bus stürzt, stellt sich raus, dass der Mann schon tot war, bevor ihn das Gefährt überrollte. Genau genommen seit 13 Jahren: Baulöwe Conti ist 2004 bei dem Tsunami in Thailand ums Leben gekommen. Offenbar war sein Tod jedoch fingiert, zumal die Leiche nie gefunden worden ist. Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) vermuten, dass der Unternehmer damals einen eleganten Weg gefunden hat, sich seiner Schulden in mehrfacher Millionenhöhe zu entziehen. Die Frage, warum er nun zurückgekehrt ist, um sich das Leben zu nehmen, erübrigt sich nach der Obduktion: In seinem Blut findet sich eine hohe Dosis eines stark beruhigenden Medikaments; Conti ist nicht freiwillig gesprungen.

"Zwei Leben" konzentriert sich zunächst jedoch auf den Busfahrer (Michael Neuenschwander), der einst gemeinsam mit Flückiger seinen Militärdienst geleistet hat; der Kommissar fühlt sich daher für den schockierten Mann verantwortlich. Mitunter wirkt der Film nun, als habe das Autorenduo (Felix Benesch, Mats Frey) eigentlich ein anderes Drehbuch im Sinn gehabt. Der Film setzt sich detailliert mit dem Thema Suizid auseinander, allerdings nicht aus Sicht der Selbstmörder: Der bedauernswerte Busfahrer war vorher Lokführer und hat den Beruf gewechselt, weil er schon zweimal Menschen überfahren hat. Nun ist er entsprechend traumatisiert und wendet sich hilfesuchend an eine Psychiaterin (Stephanie Japp), nicht ahnend, dass die Dame ebenfalls in den Fall verwickelt ist.

Wie schon einige andere Krimis aus Luzern verschenkt jedoch auch "Zwei Leben" sein Potenzial. Die Inszenierung (Walter Weber) ist abgesehen vom halbwegs fesselnden Finale völlig spannungsfrei. Das passt zwar zur Handlung, die in erster Linie ein Psychogramm des Busfahrers bietet, und natürlich macht es den Reiz der Reihe aus, dass auf diesem Sendeplatz auch andere Erzählweisen möglich sind; aber dieser Film fällt schon deutlich aus dem Rahmen. Außerdem leidet er unter einem Manko, das bislang für fast jeden "Tatort" aus der Schweiz galt: Die Episoden wirken künstlich, weil die Schauspieler nicht reden dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist; bei den Beiträgen des ORF zum Beispiel macht nicht zuletzt der Dialekt einen großen Reiz aus. Erschwerend kommt hinzu, dass die Darsteller hierzulande meist nicht bekannt sind und oft auch schlicht zu wenig Ausstrahlung haben. Interessant ist immerhin die gerade in den Vernehmungsszenen zwielichtige Bildgestaltung (Stéphane Kuthy), die der düsteren Geschichte gemeinsam mit der Musik von Fabian Römer die passende Atmosphäre verleiht.

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