Pädagogin: Bei Erziehung an Afrika orientieren

Westliche Länder sollten sich nach Ansicht der Pädagogin Marie-Christine Ghanbari bei der Erziehung die afrikanische Kultur zum Vorbild nehmen. "Vieles könnte man auch bei uns übernehmen", sagte Ghanbari der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Dazu zähle unter anderem die Wertschätzung der Bewegung. Körperliche und sportliche Aktivitäten seien essenziell für die kindliche Entwicklung. Die 34-jährige Pädagogin aus Münster hatte es als einzige deutsche Lehrerin in diesem Jahr in die Top Ten des weltweiten Lehrerwettbewerbs "Global Teacher Prize" geschafft.

Für ihre Promotion hatte Ghanbari längere Zeit in Nigeria unterrichtet: "Das hat mir gezeigt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein." Es gehe nicht um Materialismus oder darum, das bessere Handy zu haben. "Wir müssen die Schüler dahin bringen, dass nicht Geld oder Leistung entscheidend sind, sondern das eigene positive Körpergefühl", sagte die Lehrerin, die an einer Gesamtschule Mathematik, Deutsch und Sport unterrichtet. Generell könnten Erwachsene viel von Kindern lernen: "Spontaneität, nicht über alles nachdenken, Vertrauen. Kinder haben ein Urvertrauen, das es unbedingt zu bewahren gilt."

Ghanbari war in diesem Jahr die einzige Deutsche im Finale des mit einer Million Dollar Preisgeld dotierten weltweiten Lehrerwettbewerbs. Bei der Preisverleihung im März in Dubai triumphierte allerdings die Kanadierin Maggie MacDonnell. Beworben hatten sich mehr als 20.000 Lehrer aus 179 Ländern.