Koptischer Bischof fordert Reform des Islams in Ägypten

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, mahnt eine Reform der islamischen Lehre in Ägypten zu mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen an.

Um die akute Bedrohung der christlichen Minderheit durch islamistische Anschläge zu verhindern, müsse die religiöse Erziehung im Schulunterricht und in den Moscheen auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Damian der in Freiburg erscheinenden "Herder-Korrespondenz". Menschen würden nicht als Terroristen geboren. "Es sind die Lehren, die das Verhalten der Menschen beeinflussen können."

Im Zusammenleben von Muslimen und Christen in Ägypten gebe es keine Probleme mit Menschen, sondern mit Ideologien, erklärte der Bischof. Wenn die Menschen einer religiösen Ideologie anhängen, "die ihr Verhalten negativ beeinflusst und unser Leben belastet, kann es kein Zusammenleben geben." Eine Predigt könne das Verhalten der Bewohner eines ganzen Stadtviertels beeinflussen. Viele Ägypter seien noch immer Analphabeten und nähmen ideologische Predigten undifferenziert auf. Wenn die Prediger Hass predigten, könne das dazu führen, das die Zuhörer "mit Benzinkanistern, Feuer und Schlagstöcken auf uns Kopten als 'Ungläubige'" losgingen.

Damian mahnte zudem einen besseren rechtlichen Schutz für die christliche Minderheit in Ägypten an. Zwar gehe es den Kopten dort unter dem Präsidenten Abdel Fatah al-Sisi besser als unter dessen Vorgänger Mohammed Mursi, sagte er. "Aber die Aggressionen der Islamisten gegen die Christen haben enorm zugenommen." Daher sei mehr konkreter wie rechtlicher Schutz eine dringende Notwendigkeit. "Die koptischen Kirchen dürfen nicht immer wieder zum Ziel derartiger Attentate werden", betonte Damian.

Bei zwei Anschlägen auf koptische Kirchen waren am Palmsonntag in Ägypten etwa 50 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Die Minderheit der koptischen Christen, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens ausmacht, war in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffen islamistischer Extremisten ausgesetzt.

Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert bereits seit dem ersten Jahrhundert nach Christus. In Deutschland zählt die Kirche nach eigenen Angaben etwa 12.000 Mitglieder. Dienstsitz des Diözesanbischofs Damian ist das koptisch-orthodoxe Kloster in Höxter.