Fernsehvorschau: Judas' Rehabilitation

Kopf im Zwielicht

Foto: © Sarrazink Production

"Der Fall Judas"

Regisseur Rabah Ameur-Zaïmeche rehabilitiert in seinem Spielfilm den als Verräter stigmatisierten Judas und zeigt ihn als loyalen und aufopferungsbereiten Freund. "Der Fall Judas" läuft am 13.2. um 23.50 Uhr auf Arte. Was sich sonst noch im TV lohnt in der kommenden Woche:

12.2., ARD, 17.30 Uhr: "Gott und die Welt: Hinter den Fronten"

Kifri, eine nordirakische Kleinstadt, liegt direkt hinter den Fronten der Stellungen der IS-Milizen. An diesem Ort treffen viele Welten aufeinander: sunnitische und schiitische Kurden aus der Region und immer mehr geflüchtete Araber aus den vom IS besetzten Gebieten. Der Traum von einem selbstbestimmten Leben im Nordirak ist nicht nur das Ziel von vielen Frauen, sondern auch immer mehr von jungen Männern. Christian Gropper stellt in seinem Film die Berlinerin Karin Mlodloch vor, die seit 25 Jahren für ein selbstbestimmtes Leben der Frauen im Nordirak kämpft. Seit einem Jahr unterstützt sie mit ihrem Mann auch noch den Aufbau eines Jugendzentrums in Kifri. In diesen schwierigen Zeiten sollen sich hier junge Menschen treffen und weiterbilden, ganz gleich welchen Geschlechts, welcher Religion oder welcher kulturellen Gruppierung sie angehören. Nareman Saheed ist einer dieser jungen Menschen. Der 21-Jährige hilft im Jugendzentrum. Er gibt dort Mal- und Zeichenkurse für junge Menschen aus seiner Heimatstadt und aus den Flüchtlingscamps. Nareman träumt von einem selbstbestimmten Leben in seiner Heimat und davon, einmal als anerkannter Künstler in Kifri leben zu können. Wie kann dies gelingen? "Hinter den Fronten" berichtet über den Alltag in einer Region, die zu den gefährlichsten der Welt gehört. Bedroht durch Kriege, religiöse Eiferer, überkommene Traditionen und die Machtspiele der Großmächte um riesige Ölvorkommen am Beispiel von Nareman und Karin; zwei Menschen, die ihre ganz persönlichen Träume von einer selbstbestimmten Zukunft im Nordirak erzählen.

12.2., 3sat, 19.10 Uhr: "Indien - Land der Gurus"

Zum spirituellen Leben Indiens gehören unter anderem die Gurus, scheinbar Erleuchtete, die Menschen leiten. Manche von ihnen ziehen Millionen von Anhängern an, andere werden gar als Götter verehrt. Dieser Film aus der Reihe "NZZ Format" stellt einige der schillerndsten Gurus vor, darunter auch Morari Bapu, den jeder Inder kennt; selbst der Präsident des Landes hat ihm seine Aufwartung gemacht. Pujya Swamiji sagt von sich, er lebe im Licht und sei lediglich ein Instrument in Gottes Hand. Sadhu Maharaja wurde vom Geschäftsmann zum Guru. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich: Swami Balendu will kein Guru mehr sein und ist nach langer Einkehr zum überzeugten Atheisten geworden.

13.2., Arte, 20.15 Uhr: "Kreuzweg"

Die 14-jährige Maria gehört wie ihre ganze Familie zu einer Gemeinde der strengen Priesterbruderschaft St. Paulus in Süddeutschland, die die katholische Glaubenslehre besonders traditionalistisch auslegt und viele "Neuerungen" des Vatikans ablehnt. Maria steht kurz vor ihrer Firmung, durch die sie, wie es der wortgewandte Pater Weber ausdrückt, endgültig zur Soldatin Gottes werden soll und gegen das Böse kämpfen muss. Maria lebt inbrünstig nach den gepredigten Vorsätzen. Doch das Mädchen, das unter ihrer strengen Mutter und deren ständigen Vorwürfen leidet, ist auch ein Teenager mitten in der Pubertät. Als sich ihr Mitschüler Christian aus Neugierde für die isolierte Maria interessiert, löst dies bei ihr widersprüchliche Gefühle aus. In der Schule wird Maria für ihre radikale Einstellung misstrauisch beäugt und ausgegrenzt. Dabei ist sie sich doch eigentlich sicher: Sie will Gott dienen und Opfer bringen - und wenn Gott ihren kleinen Bruder Johannes, der mit vier Jahren noch kein Wort gesprochen hat, heilen würde, wäre sie bereit, im Gegenzug ihr Leben zu geben und heilig zu werden. In 14 festen Einstellungen zeichnet Dietrich Brüggemann den Weg des Mädchens nach, der an den 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu orientiert ist. "Kreuzweg" ist der vierte Film, zu dem er gemeinsam mit Anna Brüggemann das Drehbuch geschrieben hat. Dabei wirft er einen kritischen Blick auf radikale Glaubensformen. Außerordentlich ist die Leistung der 14-jährigen Newcomerin Lea van Acken als Maria. In Hans Steinbichlers "Das Tagebuch der Anne Frank" setzte sie 2016 ihre Karriere fort. Florian Stetter verkörpert den perfide demagogischen Pater neben Franziska Weisz, die die fanatisch-religiöse Mutter gibt. "Kreuzweg" gewann auf der 64. Berlinale 2014 den Silbernen Bären für das beste Drehbuch und den Preis der Ökumenischen Jury.

13.2., Arte, 23.50 Uhr: "Der Fall Judas"

Eine karge Wüstenlandschaft wird vom Rauschen des Windes und dem Zirpen der Grillen erfüllt, als ein Mann mit letzter Kraft einen Berggipfel erklimmt. Es ist Judas, der den nach einer langen Askese entkräfteten Jesus dort oben abholt und auf seinem Rücken den Berg hinunter trägt. Nachdem Jesus im Fluss gebadet hat, bricht er zusammen mit Judas nach Jerusalem auf. Auf ihrem Weg werden die beiden von jubelnden und singenden Kindern begleitet und überall mit offenen Armen empfangen. Nach und nach wird die Anhängerschar um Jesus von Nazareth immer größer. Judas sorgt sich jedoch um die Sicherheit seines Messias. Denn als Jesus die Tempelverkäufer verjagt, zieht er den Argwohn der Priester und der römischen Besatzungsmacht auf sich. Regisseur Rabah Ameur-Zaïmeche rehabilitiert in seinem fünften Spielfilm den als Verräter stigmatisierten Judas und zeigt ihn als loyalen und aufopferungsbereiten Freund; Judas, sagt er, sei zu lange die symbolische Figur des Antisemitismus gewesen. Gedreht wurde der Film in der atemberaubenden Wüstenlandschaft Algeriens mit ihren bizarren Felsformationen, die durch von Palmen gesäumte Oasen unterbrochen werden. Als visuelle Inspirationsquelle dienten Werke von Caravaggio und Rembrandt. "Der Fall Judas" wurde im Internationalen Forum des jungen Films bei der Berlinale 2015 uraufgeführt und mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

14.2., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Liebesgrüße aus Russland"

Seit 40 Jahren floriert die Vermittlung von Traumfrauen aus dem Katalog. Früher kamen sie aus Asien, heute aus Osteuropa. Claus U. Eckert geht in seiner Reportage der Frage nach, ob diese Liebe eine Chance hat. Seine Protagonisten sind Andreas (42) und Detlev (57), beide alleinstehend und einsam. Sie investieren Geld und Hoffnung in eine Agentur, die ihnen in Russland die Partnerin fürs Leben vermitteln soll. Andreas verliebt sich auf Anhieb in das Foto von Elena (38) aus Samara an der Wolga, tief im Osten Russlands. Ein persönliches Treffen soll die Frage beantworten, ob sie seine Gefühle erwidert. Um aber am Ende der 4.000 Euro teuren Reise nicht leer auszugehen, verabredet sich der Taxi-Unternehmer sicherheitshalber gleich zu mehreren Dates. Detlev dagegen glaubt, dass Julia (46) aus St. Petersburg seine Traumfrau ist. Schon beim ersten Treffen funkt es zwischen dem Antiquitätenhändler aus Cuxhaven und der attraktiven Psychologin, die als geschiedene Frau mit Kind in ihrer Heimat nur schwer einen neuen Partner findet. Drei Monate später macht Detlev ihr einen Heiratsantrag. Doch bis zur Hochzeit wird er noch oft nach St. Petersburg reisen müssen, es gibt viele Hürden zu nehmen. "37 Grad" begleitet Andreas und Detlev bei ihrer Suche nach der großen Liebe im Ausland. Dabei geht der Film der Frage nach dem Warum auf den Grund: Was macht die Damen gegenüber einheimischen Singles so attraktiv? Wie können die Männer sicher sein, dass die Auserwählte wirklich ihr Herz verschenkt und nicht nur an Geld, Lebensstandard oder Aufenthaltserlaubnis interessiert ist? Wie wirken sich Mentalitäts- und Sprachbarrieren aus? Dass es die Russinnen verstärkt ins Ausland zieht, hat übrigens einen ganz einfachen Grund: Russische Männer eine Lebenserwartung von 58 Jahren, es gibt daher einen Überschuss von zehn Millionen Frauen. Sie sind selbstständig und selbstbewusst, sehnen sich aber nach einem Partner, wollen eine Familie gründen und müssen dafür zwangsläufig im Ausland nach der großen Liebe Ausschau halten.

14.2., Sat.1, 20.15 Uhr: "Die Ketzerbraut"

Keine Empfehlung, sondern eher eine Warnung: Anders als beispielsweise die durchaus sehenswerte "Wanderhuren"-Trilogie kann bei der neuerlichen Adaption eines Bestsellers vom fleißigen Autorenduo Iny Lorentz von Qualität keine Rede sein, selbst wenn exakt das gleiche Team am Werk war wie bei "Die Rache der Wanderhure", dem zweiten und besten Teil der Trilogie. Auch die Zutaten Drama, Action, Erotik und Gewalt sind die gleichen: Erneut widerfährt einer jungen Frau bitteres Unrecht, ihre Familie wird gemeuchelt, sie selbst geschändet. Einen fragwürdigen zusätzlichen Reiz bekommt "Die Ketzerbraut", weil der Film gewissermaßen der Beitrag des Senders zum Luther-Jahr ist: Die Handlung trägt sich 1517 zu, der große Reformator ist zumindest indirekt die treibende Kraft der Handlung. Unhold der Geschichte ist der mächtige Münchener Pfarrer Johann von Perlach (Paulus Manker), der früh erkennt, dass Luthers Thesen das Potenzial haben, die Kirche in ihren Grundfesten zu erschüttern. Deshalb lässt er allerlei Schandtaten begehen und hängt sie den vermeintlichen Ketzern an. Zu seinen Opfern zählt auch die junge Genoveva (Ruby O. Fee), die nach ihrer Entführung und Vergewaltigung blutige Rache schwört, sich aber ausgerechnet jener Frau (Elena Uhlig) anvertraut, die im Auftrag des Kirchenmanns mit ihren Männern die Schandtaten begeht. Die Bildgestaltung ist vorzüglich, gerade das Licht ist ausgesprochen kunstvoll. Darstellerisch aber wirkt das Werk mitunter wie ein Laienspiel. Halbwegs interessant ist allein die religionsgeschichtliche Komponente der Geschichte. Im Anschluss zeigt Sat.1 eine Dokumentation über "das wahre Schicksal der Ketzerinnen".

14.2., Arte, 20.15 Uhr: "Die neue Völkerwanderung"

Um herauszufinden, wie Integration funktioniert und warum sie an manchen Orten kläglich scheitert, besuchen der Migrationsexperte Doug Saunders und der Regisseur Jörg Daniel Hissen europäische Ankunftsorte in Istanbul, London, Paris, Amsterdam und Berlin. Flucht, Immigration, die Bewegungen vom Land in die Städte und andere Formen der "neuen Völkerwanderung" stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Kulturelle Unterschiede, Sprachschwierigkeiten, Wohnungsprobleme zählen zu den allseits bekannten Hürden, die es für die Neuankömmlinge zu überwinden gilt. "Arrival Cities" nennt Saunders in seinem gleichnamigen Buch die Ankunftsorte, in denen sich die Migranten ansiedeln und den Start in eine bessere Zukunft für ihre Kinder finden wollen. Diese Orte sind zunächst häufig Stadtviertel, die als Problemviertel in die Schlagzeilen geraten. Die dort lebenden Einwohner entwickeln nicht selten Gefühle der Abwehr vor den Fremden. Doch Saunders macht Mut. Seine Recherche zur Migration in Europa zeigt, dass Einwanderung immer auch große Chancen für Zuwanderer und Einwohner birgt; vorausgesetzt, die Migranten finden dort Bedingungen vor, die es ihnen ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Bürgerrechte, Bildungschancen und möglicher sozialer Aufstieg sind wichtige Faktoren einer gelingenden Integration. Wenn die Ankunftsorte zumindest der zweiten Generation diesen Aufstieg mittels Existenzgründungen und Kleinunternehmertum ermöglichen, entwickeln sich die Stadtviertel häufig zu angesagten Szenevierteln und beliebten Wohngegenden für die Mittelschicht. Die Dokumentation spannt den Bogen von den persönlichen Geschichten einzelner Immigranten bis hin zu den städteplanerischen und politischen Konzepten, die erforderlich sind, damit die Ankunftsregionen von der Zuwanderung profitieren können.

16.2., WDR Fernsehen, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Tanzmariechen sucht Cowboy"

In keiner Zeit des Jahres wird mehr geflirtet, geknutscht und gefeiert als an Karneval. Vor allem im närrischen Rheinland gibt es viele Paare, die sich beim Straßenkarneval kennengelernt haben und seither zusammengeblieben sind. "Menschen hautnah" stellt einige Paare vor, die sich verkleidet ineinander verliebt haben. Ein Jahr lang sind sie von einem Kamerateam begleitet worden, zum Beispiel  Nadine und Felix, die sich Weiberfastnacht 2016 auf einer Karnevalsparty in der Beethovenhalle in Bonn kennengelernt haben. Der 28-jährige Felix hatte die Qual der Wahl, denn Tanzmariechen Nadine feierte zusammen mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Nicole. Zunächst war der coole Cowboy Felix tatsächlich an der Schwester interessiert, doch ihm gefiel die zurückhaltende Art von Nadine und er entschied sich für sie. Schon am ersten Abend nahm er die 25-Jährige mit nach Hause und am nächsten Tag stand für beide fest: Wir sind ein Paar. Kurze Zeit später zog Felix bei Nadine ein. Zu schnell für die junge Liebe? Die Liebe von Kerstin und Freddy begann Weiberfastnacht 2014 beim Straßenkarneval in der Kölner Südstadt. Vor einem Kiosk kam Kerstin mit Freddy ins Gespräch. Sie flirteten heftig und tauschten Telefonnummern aus. Danach verloren sie sich im Getümmel. Kerstin war nur zu Besuch in Köln, sie lebte in Trier. Deshalb war Freddy anfangs auch verhalten, er wollte keine Fernbeziehung. Nach vielen Telefonaten besuchten sie sich schließlich gegenseitig und verliebten sich. Nach einem Jahr beschloss Kerstin, ihre Wohnung und ihren Job in Trier aufzugeben und nach Köln zu ziehen. Eine harte Belastungsprobe für die noch frische Beziehung.

16.2., WDR Fernsehen, 23.25 Uhr: "Neue Liebe, alte Wunden"

Vor drei Jahren hat sich Simone von ihren Mann Matthias getrennt. Sie wollte frei sein für Michael, einen Arbeitskollegen, in den sie sich sehr verliebt hat. Ihre Kinder Marta, 9, und Joris, 11, leben seither eine Woche bei ihr und ihrem neuen Partner, die nächste Woche bei ihrem Vater, Simones Exmann. Aber die Patchwork-Beziehung funktioniert nicht gut, ein richtiges Familiengefühl empfindet Simone an keinem Ort mehr, sie ist todunglücklich. Sie fühlt sich zerrissen, sitzt zwischen allen Stühlen und sehnt sich nach der Klarheit und Sicherheit ihrer alten Familiensituation.
Immer mehr zieht sich Simone von Michael zurück, die Beziehung zu ihrem Ex-Mann Matthias wird dagegen wieder enger. Als die Trennung von Michael unvermeidbar scheint, überlegt Simone sogar, ganz zurück zu ihrer Familie zu gehen. Birgit Thater hat die Frau über längere Zeit begleitet.

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