Kirchen zum Jahreswechsel: Terror mit Mitmenschlichkeit begegnen

Hoffnung

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Eine Pflanze wächst durch eine Holzplanke - ein Symbol der Hoffnung.

Terror, Krieg und Not setzen die Kirchen zum Jahreswechsel Versöhnung und Mitmenschlichkeit entgegen. Papst Franziskus forderte ein tatkräftiges Bekenntnis der Gläubigen. "Indem wir durch Fakten nein zu Hass und ja zu Brüderlichkeit und Versöhnung sagen, errichten wir den Frieden", betonte der Papst in seiner Neujahrsmesse im Petersdom. Auch in Deutschland mahnten sowohl katholische als auch evangelische Bischöfe Mitgefühl und Friedensbereitschaft an.

Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, rief in seiner Neujahrspredigt im Bayerischen Rundfunk dazu auf, Gewalt zu verhindern und zu ihrer Überwindung beizutragen. Dabei helfe ein christlich-realistischer Blick auf die Menschen. Der Mensch sei vor Gott stets zugleich gerecht und ein Sünder. Dieser Blick bewahre vor dem "Traum des Übermenschen" ebenso wie vor einer Dämonisierung, sagte Bedford-Strohm.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warb für einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade im Wahljahr 2017 sollten sich Christen für ein Miteinander im Gemeinwesen einsetzen, sagte er in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Richtschnur des Handelns seien die christlichen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

"Keine Zeit ist gottverlassen"

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, verwies auf die Verunsicherungen im vergangenen Jahr, von den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln bis zum Anschlag in der Weihnachtswoche in Berlin. Diese hätten vor Augen geführt, wie gefährdet das Leben einer offenen Gesellschaft sei, erklärte der oberste Vertreter der rheinischen Landeskirche. "Wir müssen mit Unsicherheiten leben", sagte er. Dennoch könnten die Menschen weiter daran glauben, dass keine Zeit gottverlassen und gottlos sei.

Auch der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge hob die Bedeutung des Vertrauen hervor, "um im Angesicht von sinnlosem Terror nicht zu verzweifeln". Er rief in der "Berliner Morgenpost" dazu auf, nicht mit Angst zu reagieren. Vor wachsendem Populismus warnte der Aachener katholische Bischof Helmut Dieser. Zwar müsse man den "Dingen ins Gesicht sehen", sagte er angesichts des Terroranschlags von Berlin. Doch dürften nicht gefühlte Wahrheiten die Stimmung beherrschen und dabei "Übertriebenes oder glattweg Gelogenes in Umlauf gebracht werden". 

 
Die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Käßmann, kritisierte "furchtbare Hassgeschichten im Internet" nach dem Anschlag von Berlin. Es mache sie beklommen, dass die Menschen nicht mal sagen könnten: "Jetzt sind die Opfer dran und da gibt es auch mal Stille", sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende vor dem Hintergrund islamfeindlicher Bekundungen im Netz nach den Attentat auf einen Weihnachtsmarkt. Käßmann rief im "Interview der Woche" im Deutschlandfunk zugleich die muslimischen Verbände auf, klar gegen Hassprediger vorzugehen.

Gerade die Kirchen seien aufgerufen, Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus zu überwinden, sagte Käßmann auch in einem Gottesdienst auf den neuseeländischen Chatham-Inseln, wo nahe der Datumsgrenze das Reformations-Jubiläumsjahr 2017 eingeläutet wurde. Einer Welt von Hass und Krieg müsse die Botschaft des Friedens entgegengestellt werden. "Hier, wo die Sonne aufgeht, feiern wir, dass Gottes Botschaft der Liebe uns über alle Kontinente und nationalen Grenzen vereint", erklärte Käßmann.