Chef der Diakonie Katastrophenhilfe befürchtet Genozid in Syrien

Angesichts der Kriege in Syrien und im Irak übt der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Kessler, harte Kritik an der Politik.

"Ich befürchte, dass wir uns sehenden Auges in den nächsten Genozid hineinbewegen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Samstag).

Er fühle sich sehr stark an den Balkan erinnert. "Denn wir erleben eine Reihe von Kesselschlachten in Aleppo und Mossul - in Idlib wird Ähnliches folgen", erklärte Kessler. 20 Jahre nach dem Massaker im bosnischen Srebrenica habe die Politik es nicht vermocht, Instrumente zu schaffen, die so etwas verhindern.



Die Sicherheitsarchitektur der Vereinten Nationen biete nur begrenzte Möglichkeiten, beklagte Kessler. Es mache ihn immer wieder wütend, hilflos zuschauen zu müssen. "Als humanitäre Hilfsorganisation sind wir einem System ausgeliefert, das offensichtlich nicht funktioniert", sagte der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. 

Nach den Worten Kesslers haben etwa 60 syrische Hilfsorganisationen unlängst ihre Aktivitäten aus Protest niedergelegt. "Dies ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit, dass ihnen die Hände gebunden sind", erläuterte er. "Und es ist ein politisches Zeichen zu sagen: Wenn Ihr euch nicht an den Verhandlungstisch setzt, stellen wir die humanitäre Hilfe ein."