Özdemir kritisiert Islamverbände

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat erneut den Einfluss der Türkei auf die islamische Theologie in Deutschland kritisiert.

"Es ist nicht akzeptabel, dass der türkische Staatspräsident darüber entscheidet, welche Interpretation des Islam auch hier in Deutschland die legitime ist", sagt Özdemir der in Berlin erscheinenden "tageszeitung" (Wochenendausgabe).

Die meisten organisierten Muslime in Deutschland gehörten zu Gemeinden des Dachverbandes Ditib. Ditib untersteht allerdings dem Religionsministerium der Türkei, Vorsitzender sei immer ein türkischer Botschaftsrat. De facto sei damit oberster Theologe also der türkische Präsident, sagte Özdemir. "Ankara muss die Muslime freigeben. Wir müssen darauf bestehen", fügte der Grünen-Politiker hinzu.

Özdemir sprach sich erneut gegen eine Anerkennung der vier Islamverbände im Koordinationsrat der Muslime als Religionsgemeinschaften zum jetzigen Zeitpunkt aus: "Bei denen stehen ganz eindeutig Herkunftsland, Sprache oder Politik im Zentrum, nicht aber die Religion, wie es das Recht in Deutschland vorsieht." Es handele sich also eher um migrantische Organisationen als um Glaubensgemeinschaften.

Hinzu komme, so Özdemir weiter, dass nur etwa ein Viertel der rund vier Millionen Muslime in Deutschland sich von einem der vier Islamverbände vertreten fühle. "Kurzum, die Verbände müssen sich weiterentwickeln", betonte der Grünen-Parteichef. Die Islamverbände sind bislang nicht als Religionsgemeinschaften anerkannt und kämpfen seit Jahren um die Gleichstellung mit christlichen Kirchen und dem Zentralrat der Juden.