Ihre Fragen, unsere Antworten - Folge 46: Was ist jetzt mit den Hasskommentaren auf Facebook?

Mark Zuckerberg war in Berlin. Was heißt das jetzt für Facebook-Kommentare?

Liebe evangelisch.de-Nutzerinnen und Nutzer,

Mark Zuckerberg war in Berlin, was in der deutschen Medienlandschaft, insbesondere bei Springer, für nicht unerheblichen Hype gesorgt hat. Selbst Staatspräsidenten, die nicht gerade aus den USA kommen, wird so nicht der Hof gemacht. Ein Thema waren natürlich auch "Hasskommentare" - die alte Frage: Unternimmt Facebook zu viel gegen nackte Haut und zu wenig gegen Volksverhetzung? Nun ist das US-amerikanische Konzept von "free speech" deutlich weitreichender als unsere durch das Grundgesetz eingeschränkte Meinungsfreiheit. Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und "hire & fire"-Kapitalismus: Auf dem freien Markt der Meinungen wird sich die richtige schon durchsetzen.

Bestes Beispiel dafür: Donald Trump, der auf dem besten Weg ist, der republikanische Präsidentschaftskandidat zu werden (und von Springer sicherlich mit dem gleichen Pomp empfangen würde wie Mark Zuckerberg). Der Fact-Check von PolitiFact sieht Trump bei 59 % Lügenquote - 20 Punkte mehr als der nächsthöhere Mitbewerber, Marco Rubio. Er darf sagen, was er will, und trotzdem Präsidentschaftskandidat werden.

Wie auch immer: Lügen darf man auf Facebook wie Donald Trump, in den Nutzungsbedingungen steht dazu nichts. Das kann man auch nicht verhindern. Ansonsten muss man sich an Recht und Gesetz halten (Abschnitt 5 Satz 1 der Nutzungsbedingungen). In seinen Community-Standards führt Facebook neben strafrechtlich relevanten Inhalten auch drei Themen zum "Respektvollen Umgang" auf: Keine Nacktheit, keine Hassbotschaften, keine gewalttätigen oder "expliziten" Inhalte. Facebook will also jugendfrei sein.

Dazu schreibt das Netzwerk, es sei "absolut notwendig, Richtlinien in Kraft zu setzen, die unsere globale Gemeinschaft beim Prüfen von Inhalten einheitlich und problemlos anwenden kann. Deshalb sind unsere Richtlinien manchmal breiter gefasst als uns lieb wäre und beschränken unter Umständen Inhalte, die aus legitimen Gründen geteilt wurden." Das steht allerdings beim Abschnitt "Nacktheit", was aus unserer deutschen Sicht eher die Prüderie US-amerikanischer Öffentlichkeit widerspiegelt als einen globalen Konsens.

Das ist eben das Problem von Facebook: "Hasskommentare" werden auch kulturell sehr unterschiedlich aufgefasst. Wenn ein amerikanischer White-Power-Neonazi sein Facebookprofil mit Hitlerbildern anreichert und sich selbst in eindeutiger Pose ablichtet, ist das in den USA ok - hierzulande aber nicht. Denn die "hate speech"-Gesetze dort greifen erst, wenn ein unmittelbarer Aufruf zu Gewalt vorliegt, so urteilte der Supreme Court.

Jedenfalls hat Mark Zuckerberg bei seinem Besuch in Berlin mitbekommen, dass den Deutschen dieses Thema doch sehr am Herzen liegt, und versprochen, es zukünftig besser zu machen. Ich bleibe da skeptisch, denn diese Aufgabe lässt sich (noch) nicht von einem Algorithmus erledigen. Dass Facebook aber so viele Moderatoren nur für Deutschland einstellt, um wirklich ein wirksames Statement gegen Kommentare zu setzen, die aus seiner kulturellen Sicht zulässig sind, glaube ich nicht.

Unser evangelisch.de-Nutzer "zaangalewa" sieht das etwas anders, weil das Löschen von Kommentaren statt der Auseinandersetzung damit den Abstieg in die meinungskonforme Zensurwelt bedeute:

"Der Wille andere Menschen in Gesprächen zu besiegen - also zum Schweigen zu bringen - statt einfach miteinander zu sprechen - ist eine der zwanghaftesten Eigenschaften der neumodernen Menschen."

Das stimmt, eine solche Diskussionskultur funktioniert nicht, wenn man einen Konsens erzielen will. Das Problem ist, dass die meisten der löschenswerten Kommentare - auch hier auf evangelisch.de! - gar nicht zum Ziel haben, miteinander zu reden, sondern nur über etwas zu reden. Wenn dann noch klare Verstöße gegen unsere eigenen Regeln dazukommen, die doch etwas strenger sind als die laissez-faire-Variante von Facebook, ist das Nicht-Veröffentlichen oder Löschen die richtige Konsequenz. Auch im Internet hilft es ja nicht, wenn sich die Menschen statt miteinander zu reden einfach gegenseitig anschreien.

Ich wünsche euch und Ihnen ein gesegnetes Wochenende!


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