Mit Kindern beten

Ein Junge hat die Hände zum Gebet gefaltet.

Foto: iStockphoto/madisonwi

Mit Kindern zu beten ist schön. Man kommt gemeinsam zur Ruhe, denkt gemeinsam nach und macht sich klar, dass man nicht alleine durch das Leben gehen muss. Allerdings fragen sich viele Eltern, ob sie es wohl "richtig" machen würden mit dem Beten, vor allem dann, wenn sie selbst gar keine regelmäßige Praxis mehr haben. In diesem Fall können Kinder ein schöner Anlass sein, wieder eine Gebetspraxis zu entwickeln. Und "falsch machen" kann man eigentlich auch nichts dabei.

Eine gemeinsame Zeit finden und einhalten

Zum Beten braucht man möglichst Zeit und Ruhe. Darum bieten sich solche Gelegenheiten an, in denen man ohnehin zusammen ist. Viele Eltern beten mit ihren Kindern darum besonders gern beim Zubettgehen oder auch beim gemeinsamen Essen. Beides sind gute Anlässe für ein Gebet. Beim Essen gibt es etwas zu danken, und am Abend vor dem Schlafen kann man einerseits auf den Tag zurückschauen und andererseits Gott bitten, auch in der Nacht auf uns aufzupassen. Wer noch andere regelmäßige gemeinsame Zeiten hat, kann natürlich auch die nutzen, auf jeden Fall ist es einfacher, bereits bestehende Zeiten zu nutzen, als neue einzuführen. Wenn man eine solche Zeit ausgesucht hat, kann man einfach loslegen. Wichtig ist in jedem Fall, dass man die Tradition beibehält – egal was für Umstände gerade herrschen. Ob das Kind oder der Erwachsene krank sind, spielt keine Rolle. Wenn sie beisammen sind und die Zeit ist da, dann betet man. Das kleine Ritual gewinnt dann an Bedeutung und wird verlässlich. Allein schon dadurch gibt das gemeinsame Gebet Halt und Geborgenheit.

Anfangen

"Ich möchte mit dir beten." So einfach kann es sein, und dann wendet man sich an Gott. Das Schöne und Einfache am gemeinsamen regelmäßigen Gebet ist, dass man sich nicht ständig etwas Neues ausdenken muss. Die Wiederholung ist in diesem Fall wichtiger als die Abwechslung. Es kommt lediglich darauf an, dass die Kinder das gemeinsame Gebet auch mitmachen können. Das geschieht zunächst durch die klare Ansage: "Jetzt beten wir." Wenn es beim Abendgebet im Bett noch um die Frage geht, welches Kuscheltier heute ins Bett darf oder was man morgen gerne essen möchte, dann aber bitte als Gebetsinhalt. In dem Moment, in dem das Gebet beginnt, ist Gott der Ansprechpartner. Dem kann alles gesagt werden, nur soll er eben auch angeredet werden. "Gott, heute möchte ich, dass Hoppel bei mir im Bett schläft, weil er so schön weich ist und besonders gut aufpasst auf mich." Oder: "Lieber Gott, morgen machen wir Pfannkuchen. Ich freue mich schon." Der Erwachsene kann sich natürlich einbringen in das Gebet. "Gott, ich möchte auch, dass jemand auf mich aufpasst heute Nacht." Oder: "Und bitte, Gott, lass keinen unserer Pfannkuchen anbrennen." Ein sogenanntes "freies Gebet", also eines, das nicht vorformuliert ist, erscheint vielen Menschen als besonders kompliziert, doch das liegt hauptsächlich daran, dass man glaubt, man müsse Gott irgendwie besonders gut formulierte Worte sagen. Dabei geht es doch vielmehr darum, sich Gott zuzuwenden wie einem Freund! Und Freunden gegenüber darf man auch stottern und stammeln. Darum kann die Aufforderung an das Kind ganz einfach sein: "Was möchtest du Gott heute erzählen?" Man kann sich jederzeit selbst einbringen – immer an Gott gewandt oder quasi als Moderator: "Hast du noch etwas, wofür du Danke sagen möchtest? Oder etwas, worum du bittest?" Sehr hilfreich ist es tatsächlich, beim Beten die Hände zu falten. Auf diese Weise ist deutlich sichtbar und sogar fühlbar, wie lange das Beten dauert. Irgendwann ist es gut, und dann sagt man natürlich "Amen".

Vorformulierte Gebete

Gebete, die bereits formuliert sind, haben den Vorteil, dass man sie in der Regel häufig wiederholt. So wird das Ritual des gemeinsamen Gebetes betont. Außerdem kann man Gebete auswählen, die schon alt sind. So kann man sicher sein, dass es schon viele Tausend andere Menschen vor einem selbst gebetet haben. Wichtig ist bei vorformulierten Gebeten, dass sie – anders als die freien Gebete – nicht automatisch mit den Kindern mitwachsen. Das heißt, sie können irgendwann einfach nicht mehr passen, wie Kleidung, aus der man herauswächst. Nimmt man zum Beispiel das schöne Gebet "Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein!", so kann sich ein Kind nach ein paar Jahren zu alt dafür fühlen. Dann sollte man ein neues Gebet suchen. Ab dem Vorschulalter kann man sich auch solchen Gebeten zuwenden, die auch Erwachsene beten, zum Beispiel dem Vaterunser. Dieses Gebet wird seit Jahrtausenden von Menschen in allen Situationen des Lebens gebetet. Wer es spricht, stimmt sozusagen ein in eine große Tradition. Das gibt viel Halt. Ein weiteres Gebet mit ähnlicher Kraft und großer Tradition ist der Psalm 23. Dieses Gebet ist noch älter und spricht von einem riesengroßen Vertrauen. Darum kann Psalm 23 ein sehr passendes Abendgebet sein. In jedem Fall werden vorformulierte Gebete zuerst von dem Erwachsenen gesprochen, später von beiden gemeinsam, wenn das Kind es gelernt hat.

Eine eigene Mischung

Es gibt eine große Reihe von bereits formulierten Kindergebeten, meistens in gereimter Form, damit sie sich leichter lernen lassen. Vor allem beim Tischgebet haben diese Gebete einen großen Vorteil, denn meistens ist man hungrig und möchte ungern allzu lange warten, bis man mit dem Essen beginnen kann. Von "Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast!" bis hin zu "Lieber Gott, lass deinen Segen über unsere Teller fegen!" ist alles möglich. Wie beim Essen muss es denjenigen schmecken, die das Gebet mitsprechen. Beim Abendgebet ist es auch möglich, kurze, formulierte Gebete zu erweitern, also aus zunächst "fertigen" Gebeten "freie" werden zu lassen: Mit kleineren Kindern macht man es häufig so, dass nach einem formulierten Gebet wie "Müde bin ich, geh zur Ruh'" noch eine Aufzählung derer anhängt, die Gott ebenfalls beschützen soll. "Lieber Gott, beschütze . . .", und dann folgt eine Liste, die je nach Erschöpfungsgrad des Kindes oder des Elternteils mal länger und mal kürzer ausfällt. Wie gesagt, Gebete können mit dem Kind mitwachsen, wenn sie eigene Teile enthalten.

Am Ball bleiben

Auch bei der schönsten Tradition kann der Moment kommen, an dem man einfach nicht mag. Weil gerade ohnehin alles blöd ist oder weil man sich streitet oder weil man einfach nicht will. Dann kann man versuchen, genau das zu einem – vielleicht ganz kurzen – Gebet zu machen. "Gott, ich mag heute nicht. Ich will nur schlafen. Amen." Das ist ein ehrliches und durchaus schönes Gebet, denn es nimmt Gott als Gesprächspartner ernst, dem man wirklich alles sagen kann. Wichtig ist nur, dass man Gott für einen Moment in das Leben hineinholt, denn auf diese Weise lernen Kinder – zusammen mit ihren Eltern –, wie gut es tut, nicht alles allein bewältigen zu müssen.

Autoren

Frank Muchlinsky

Frank Muchlinsky ist Pfarrer und arbeitet bei evangelisch.de.

Foto: Sarika Feriduni/evangelisch.de

Frank Muchlinsky ist Pastor und arbeitet bei evangelisch.de. Er betreut unter anderem die Seite fragen.evangelisch.de.