Kardinal Marx: Muslime nicht auf deren Religion reduzieren

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wendet sich gegen Pauschalurteile über Muslime. Ihn störe es, wenn Ängste geschürt werden und man bei Muslimen nur über deren Religion rede. "Sie sind zuerst Menschen, und dann kommt das Adjektiv", sagte der Münchner Erzbischof dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut Vorabbericht.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, führe nicht weiter. "Da könnte man auch fragen, ob der Atheismus zu Deutschland gehört", sagte Kardinal Marx. Schon der Blick in das Grundgesetz reiche zu Klärung. Der Artikel 4 garantiere die Freiheit der Religionsausübung. Dieses Recht sei Teil der Staatsräson, betonte Marx.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte wenige Tage nach seiner Ernennung Mitte März der "Bild"-Zeitung gesagt: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt." Damit zog der CSU-Politiker nicht nur Kritik der Opposition, muslimischer Verbände und aus den Kirchen auf sich, sondern auch vom Koalitionspartner SPD und der Schwesterpartei CDU. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) widersprach Seehofer.


Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, indes verteidigte Seehofer im "Focus" abermals: "Wir führen die Debatte mit klarer Kante, direkt und konservativ. Die CSU wird sich da nicht bewegen, schließlich ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört."