TV-Tipp: "Tatort: Vielleicht" (WDR)

14.9., WDR, 20.15 Uhr: "Tatort: Vielleicht"
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Eines Tages bekommt der Berliner LKA-Kommissar Felix Stark Besuch von der norwegischen Psychologiestudentin Trude, die ihm erzählt, sie träume immer wieder von der Ermordung ihrer Freundin Lisa; der Täter sei ein Mann mit Latzhose. Wenige Wochen später wird Lisa erwürgt.

Es gab schon viele ungewöhnliche "Tatort"-Geschichten, aber diese Wiederholung aus dem Jahr 2014 fällt deutlich aus dem Rahmen: Eines Tages bekommt der Berliner LKA-Kommissar Felix Stark (Boris Aljinovic) Besuch von der norwegischen Psychologiestudentin Trude, die ihm erzählt, sie träume immer wieder von der Ermordung ihrer Freundin Lisa; der Täter sei ein Mann mit Latzhose. Wenige Wochen später wird Lisa erwürgt; der Täter hat sich Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft, indem er vorgab, die Gasleitung kontrollieren zu wollen. Während die Polizei nach dem Mörder sucht, wird Trude ein zweites Mal im Präsidium vorstellig, denn sie hat einen neuen Traum: Zwei Menschen werden in einem Restaurant erschossen. Fieberhaft suchen die Ermittler nach einem Lokal, das ihrer Beschreibung entspricht, aber dann kündigt die Norwegerin ihre Mitarbeit auf. Durch hartnäckiges Nachfragen erfährt Stark den schockierenden Grund für ihre Zurückhaltung: Der nächste Tote in Trudes Traum ist er selbst.
"Vielleicht" war der letzte "Tatort" aus Berlin mit der alten Besetzung. Als klar war, dass der Rundfunk Berlin Brandenburg das Duo Ritter und Stark in Rente schicken würde, war für Dominic Raacke schon nach dem vorletzten Film Schluss. Der Abschiedsfall ist also ein Solo für Aljinovic, dem allerdings ein interessantes und überwiegend junges Team (unter anderem Laura Tonke sowie Fabian Busch als Polizeipsychologe) zur Seite gestellt wurde; in dieser Konstellation hätte das Ensemble gut und gern weitermachen können. Der Titel bezieht sich jedoch nicht auf eine mögliche Fortsetzung, das Ende ist beschlossen, sondern auf den Filmschluss und einen denkbar kurzen Gastauftritt von Heikko Deutschmann, der als Arzt nichts anderes sagt als dieses eine Wort: "vielleicht".


Autor und Regisseur Klaus Krämer hat mit "Machtlos" sowie "Hitchcock und Frau Wernicke" zwei großartige Krimis mit den Berlinern gedreht. Beide waren bewusst zurückhaltend inszeniert. Diesem Stil bleibt Krämer auch diesmal treu. Die Bildgestaltung (Christine A. Maier) ist betont unauffällig, die Musik sparsam, aber prägnant und passend (Christine Aufderhaar). Der Film beschränkt sich konsequent darauf, seine Geschichte zu erzählen, und die ist schon allein deshalb faszinierend, weil man spätestens nach dem dritten Traum natürlich darauf wartet, dass die Bombe unter dem Tisch (wie Alfred Hitchcock einst das Wesen eines Thrillers charakterisierte) explodiert. Außerdem beweist Aljinovic, dass er auch prächtig ohne den Kollegen Raacke auskommt, zumal sich Krämer eine besonders Begabung seines Hauptdarstellers zunutze macht: Der Schauspieler ist ein derart talentierter Zeichner, dass er damit eine Weile lang sogar Geld verdient hat. Stark setzt Trudes Schilderungen umgehend in Skizzen um, was dem Film eine ganz eigene Note gibt. Gleiches gilt für die Mitwirkung der Norwegerin Olsen Lise Risom, die in ihrer ersten deutschsprachigen Hauptrolle schon allein wegen ihrer riesigen blauen Augen markante Spuren hinterlässt.

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