Vorsitzender des Ethikrats warnt vor Risiken der Gen-Reparatur

Bischof Hein: Im europäischen Kontext regeln
Eine Eizelle wird künstlich befruchtet

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Eine Eizelle wird künstlich befruchtet.

Erstmals haben Wissenschaftler in den USA einen lebensfähigen Embryonen erfolgreich mit einer "Gen-Schere" genetisch verändert. Für Ethiker Dabrock ist das nicht nur eine Erfolgsmeldung, sondern es sollte auch eine Warnung sein.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, hat vor den Risiken der Gen-Reparatur an menschlichen Embryonen gewarnt. "Wer hier nicht nahezu hundertprozentige Sicherheit garantieren kann, führt unverantwortliche Versuche an menschlichem Leben durch", erklärte der Erlanger Theologe. Forscher der Oregon Health & Science University in Portland (USA) haben erstmals lebensfähige Embryonen mit Hilfe der sogenannten Crispr-Cas-Methode erfolgreich genetisch verändert. Der evangelische Bischof Martin Hein (Kassel), der dem Ethikrat ebenfalls angehört, forderte dazu auf, das Thema weiter zu diskutieren.

Es sei ethisch verwerflich, wie unter Ausblendung zahlreicher weiterhin ungelöster biologischer Risiken der Eindruck erweckt werde, Keimbahn-Interventionen könnten bald vorgenommen werden, kritisierte Dabrock: "Nur um die Ersten zu sein, scheinen Labore nicht mehr nur in China, sondern auch in den USA oder in England keine Grenze mehr zu kennen."

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock.

Das Klima innerhalb der Wissenschaft habe sich gewandelt. Forscher schienen bereit zu sein, schwerste Gesundheitsrisiken für spätere Menschen in Kauf zu nehmen, sagte Dabrock. Es reiche deshalb nicht mehr aus, mantraartig eine öffentliche Debatte zu fordern oder auf einen wissenschaftsinternen Verhaltenskodex zu setzen. Das Wissenschaftsjournal "Nature" hatte die Studie der US-Forscher am Mittwoch veröffentlicht.

Der evangelische Theologe forderte die Politik zum Handeln auf: "Ich würde mir wünschen, dass die Vereinten Nationen eine Resolution beschließen, dass zumindest die Implantation genmanipulierter Embryonen so lange verboten bleiben muss, bis dadurch verursachte Gesundheitsrisiken ausgeschlossen werden können." Viel Zeit bleibe weder für gesellschaftliche Diskurse noch politisches Handeln, bis ehrgeizige Wissenschaftler unverantwortliche Fakten gesetzt hätten, mahnte er.

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Hein, warnte vor "übertriebenen Hoffnungen". Das Verfahren sei keineswegs ausgereift. Außerdem sei es notwendig, die Anwendung von Crispr Cas an Embryonen im europäischen Kontext weiter zu diskutieren und im Bedarfsfall zu regeln. Die Eingriffe in die Keimbahn veränderten nicht nur das Erbgut eines Einzelnen, sondern aller folgenden Generationen. "Dadurch betreffen sie die ganze Gattung Mensch."

Zudem müssten die erheblichen Risiken der Gen-Reparatur an menschlichen Embryonen bedacht werden, betonte Hein. Sofern man überhaupt einer Anwendung zustimme, stelle sich unmittelbar die Frage nach der Zugangs-Gerechtigkeit: "Wem darf das Verfahren zugutekommen?"

Das Forscherteam aus den USA, Südkorea und China befruchtete die gespendeten Eizellen zunächst mit Spermien eines Spenders, der an einer erblich bedingten Herzmuskelschwäche leidet. Gleichzeitig injizierten sie die Gen-Schere Crispr Cas in die Eizelle. Die Gen-Reparatur fand so schon vor der ersten Zellteilung des Embryos statt. Als Ergebnis trugen 42 der 58 Embryonen die krankhafte Mutation nicht mehr. Die Embryonen wurde nach wenigen Tagen zerstört.

Bei früheren chinesischen Experimenten mit menschlichen Embryonen, bei denen die Gen-Schere erst nach der Befruchtung der Eizelle angewendet worden war, war es zu Veränderungen an Stellen im Erbgut gekommen, die gar nicht verändert werden sollten. Zudem wurden nicht alle Zellen erfolgreich korrigiert. Dadurch waren biologische Mosaike aus krankem und gesundem Gewebe entstanden.