Zentralrat der Muslime bekräftigt Aufruf zur Demo-Teilnahme

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat seinen Aufruf zur Teilnahme an der Großkundgebung am Samstag gegen Terror bekräftigt. "Wir rufen alle auf, sich rege zu beteiligen", erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Freitag in Köln und verwies auch auf eine für den 23. Juni angekündigte Demonstration in Berlin. "Erhebt eure Stimmen und kommt mit uns auf die Straßen gegen Extremismus und Gewalt." Organisatoren der Demonstration sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad.

Mazyek betonte, dass es darum gehe, deutlich zu machen, "dass wir uns weder von Terroristen vereinnahmen lassen, noch von anderen Extremisten, die gerne einen Generalverdacht gegenüber den Muslimen sehen wollen". Angesichts der derzeit herrschenden Verunsicherung, Ängste und "Negativdiskurse über den Islam" könnten solche Kundgebungen ein wichtiges öffentliches Zeichen sein und den "gesamtgesellschaftlichen Kitt" stärken. "Eine edlere und schönere Aufgabe, zumal im Ramadan, sozusagen als Vergewisserung und Stärkung, kann es doch kaum geben."

Mazyek, der auch Sprecher des Koordinationsrates der Muslime ist, wandte sich aber gegen eine Unterscheidung in "gute" Muslime, die zu der Demo aufgerufen haben, und "böse" Muslime, die das nicht getan haben. Es gehe um das Versammlungsrecht, nicht um eine Versammlungspflicht, betonte der ZMD-Vorsitzende. Damit wies er indirekt die Kritik am türkisch-islamischen Verband Ditib zurück, der eine Teilnahme an der Demonstration ablehnt.

Unterdessen verteidigte der türkisch-islamische Verband Ditib seine Absage für die Demonstration. Generalsekretär Bekir Alboga verwies auf den Fastenmonat Ramadan. "Ramadan ist für mich wie Weihnachten. Da gehen Sie doch auch nicht demonstrieren", sagte er der "Bild" (Samstag). Die Idee der Demonstration sei gut, aber schlecht geplant. Und: "Wir tragen nicht die Verantwortung für das, was Islamisten angerichtet haben."

Bereits am Mittwoch hatte sich die Ditib als größter Islamverband in Deutschland in einer Stellungnahme von der Demonstration distanziert. Forderungen nach "muslimischen" Anti-Terror-Demos griffen zu kurz, stigmatisierten Muslime und verengten den internationalen Terrorismus auf sie, erklärte der Verband mit Sitz in Köln, der der türkischen Behörde für religiöse Angelegenheiten in Ankara unterstellt ist. Mit ihrer Begründung und Absage hatte die Ditib parteiübergreifende Kritik aus der Politik geerntet.

Wie der Zentralrat der Muslime ist auch die Ditib dem Koordinationsrat der Muslime angeschlossen. Diesem Dachverband gehören zudem der Verband der islamischen Kulturzentren und der Islamrat an. Auch der Islamrat hatte sich bereits in der vergangenen Woche von einer Teilnahme an der Demonstration in Köln distanziert.

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