EU-Parlament will Kleiderfirmen zu globaler Verantwortung zwingen

Vier Jahre nach dem Rana-Plaza-Unglück in Bangladesch will das Europaparlament Modeunternehmen zu einem verantwortlicheren Handeln in den Produktionsländern zwingen.

Das Parlament verabschiedete am Donnerstag in Brüssel mit 505 Ja-Stimmen bei 49 Gegenstimmen und 57 Enthaltungen eine entsprechende Resolution. Darin wird die EU-Kommission aufgefordert, ein Gesetz auszuarbeiten.

Die neue Regelung soll europäische Kleiderhersteller dazu verpflichten, auf die Einhaltung von Sicherheitsnormen und sozialen Standards bei Zulieferern und Dependancen in den Herkunftsländen zu achten. Ein Vorbild ist das bereits verabschiedete Gesetz über Konfliktmineralien.

Hintergrund der Resolution sind gefährliche Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter in armen Ländern, unter ihnen viele junge Frauen und Kinder. "Wir dürfen kein Auge zudrücken, wenn unsere Kleidung um den Preis großen menschlichen Leidens hergestellt wird", erklärte die federführende Abgeordnete, die spanische Linken-Politikerin Lola Sánchez Caldentey.

Um Unglücken und unmenschlichen Arbeitsbedingungen entgegenzuwirken, fordern die Europaparlamentarier neben dem neuen Gesetz auch, dass die EU ihre Handelsbeziehungen zu den Produktionsländern überprüft. Sie schlagen ferner ein Gütezeichen für nachhaltige Kleidung vor. Außerdem sollen die EU-Institutionen bei eigener Beschaffung von Textilien mit gutem Beispiel vorangehen.

Das Europaparlament kann einen Gesetzentwurf nicht selbst erarbeiten, dies kann nur die EU-Kommission. Bringt die Kommission einen Entwurf auf den Weg, wird dieser im Parlament und im EU-Ministerrat als Vertretung der europäischen Regierungen beraten, verändert und schließlich verabschiedet.

Beim Einsturz des Rana-Plaza-Hochhauses in Bangladesch am 24. April 2013 waren mehr als 1.100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet worden. Mehr als 2.000 wurden verletzt. Die Produktion war trotz bekannter Baumängel fortgesetzt worden.