VW-Krise: Industriepfarrer begrüßt Einigung mit Zulieferfirmen

Ein Schild steht am 23.08.2016 an einer LKW-Einfahrt vom VW Werk in Wolfsburg (Niedersachsen).

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Im Lieferstreit zwischen dem Autokonzern Volkswagen und zwei wichtigen Zulieferern gibt es nach VW-Angaben eine Einigung.

Der Wolfsburger Industriepastor Peer-Detlev Schladebusch hat die Einigung von Dienstag im Konflikt zwischen VW und seinen Zulieferungsfirmen begrüßt.

"Miteinander zu reden und zu verhandeln, ist immer besser als der offene Streit mit verhärteten Fronten", sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Unter dem Streit haben vor allem diejenigen gelitten, die den Konflikt überhaupt nicht zu verantworten haben: Die VW-Mitarbeiter, die ihre Arbeit gut erledigen."

Der seit längerem schwelende Konflikt zwischen VW und zwei Zulieferern für Sitzbezüge und Getriebeteile hatte sich in der vergangenen Woche zugespitzt. Weil die Firmen nicht mehr lieferten, musste VW seine Produktion zunächst drosseln und dann stoppen. Betroffen waren bis zu 28.000 VW-Beschäftigte, für die Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragt wurde. Über die Details der Einigung vereinbarten die Unternehmen Stillschweigen.

"Auf die Dauer schlägt das aufs Gemüt"

Die Beschäftigten litten seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor elf Monaten unter der ständigen negativen Medienpräsenz ihres Unternehmens, sagte Schladebusch. "Nachbarn und Bekannte sparen nicht mit mehr oder weniger witzig gemeinten Kommentaren." Die jüngsten Schlagzeilen hätten dieses Klima eher angeheizt. "Auf die Dauer schlägt das aufs Gemüt", sagte Schladebusch. Er könne sich nicht erinnern, wann zuletzt ein Unternehmen über einen so langen Zeitraum auf diese Art in den Medien vertreten war.

Erst vor knapp zwei Wochen hatten die VW-Beschäftigten in der Wolfsburger Christuskirche einen großen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto "Neu durchstarten" gefeiert. "Wir wollten damit in dieser schwierigen Zeit ein positives Zeichen für eine gute Unternehmens- und Verantwortungskultur setzen", unterstrich Schladebusch.

Die Belastungen der Mitarbeiter kämen bei den wöchentlichen "Gebetsrunden in der Mittagspause" in den VW-Werken regelmäßig zur Sprache, sagte der Pastor. Dabei beteten die Kollegen auch um richtige Entscheidungen in der Unternehmensleitung und im Betriebsrat: "Wahrscheinlich hat die Einigung jetzt auch etwas mit unseren Gebeten zu tun - wer will das abstreiten?" Die Gebetskreise werden von dem "Netzwerk Christen bei Volkswagen" organisiert.