Hilfswerke beklagen Missstände in europäischer Schuhindustrie

Arbeiterin in einer Schuhfabrik in Osteuropa.

Foto: imago/ITAR-TASS

Schuhfabrik in Osteuropa.

In Schuhfabriken in Mittel- und Südosteuropa herrschen Entwicklungsorganisationen zufolge drastische Missstände.

Arbeiterinnen und Arbeiter in Albanien, Mazedonien und Rumänien litten unter Hungerlöhnen und würden oft noch schlechter bezahlt als ihre Kollegen in China, hieß es in einem am Montag in Bonn veröffentlichten Bericht der Kampagne "Change your shoes" des Südwind-Instituts und des Inkota-Netzwerks. Von Qualität und fairen Arbeitsbedingungen bei Schuh- und Lederwaren "Made in Europe" könne keine Rede sein.

Die Löhne müssten vier bis fünf Mal höher sein, damit die Fabrikarbeiter und ihre Familien davon leben könnten, erklärte die Kampagne. In den untersuchten Ländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Rumänien, Slowakei und Mazedonien seien rund 200.000 Menschen in Schuhfabriken beschäftigt. "Der Bericht belegt: Die Probleme der Schuhindustrie sind ein Problem globaler Wertschöpfungsketten - und machen nicht halt vor Europa", hieß es in der Studie mit dem Titel "Harte Arbeit für wenig Geld".

Kein Schutz, weil es das Arbeiten verlangsamt

Anton Pieper vom Südwind-Institut sagte, in den untersuchten Fabriken sei der Akkorddruck teilweise so hoch, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter "keine Atemmasken oder Schutzkleidung gegen den Gestank von Leim und das Gift der Chemikalien tragen, weil es das Arbeiten verlangsamt".

Der Kampagne zufolge kauft jeder Deutsche pro Jahr im Durchschnitt 5,3 Paar Schuhe. Mehr als 24 Milliarden Paar Schuhe seien 2014 weltweit hergestellt worden, der größte Teil davon in Asien. Doch jedes fünfte Paar Schuhe, das in Europa verkauft werden, sei auch in Europa produziert.

In einem zweiten Bericht warfen Südwind und Inkota Schuhherstellern wie Adidas, Ara, Birkenstock, Deichmann, Gabor und Lowa vor, sich zu wenig um die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten zu kümmern, in denen sie ihre Schuhe fertigen lassen. Die wenigsten Schuhunternehmen könnten eine transparente Zulieferkette vorweisen, sagte Berndt Hinzmann von Inkota. Für Verbraucher sei es "nach wie vor sehr schwierig sich für einen nachhaltig produzierten Schuh zu entscheiden, da die Marken nicht glaubwürdig informieren, geschweige denn tatsächlich nachhaltig produzieren".

Für die Studie mit dem Titel "Rechte von ArbeiterInnen mit Füßen getreten" befragten die Organisationen insgesamt 23 Unternehmen unter anderem zu Löhnen und Arbeitsschutz. Zwölf Firmen antworteten. Keine davon konnte laut Kampagne der besten Kategorie "fortschrittlich" zugeordnet werden. Die Marken El Naturalista, Eurosko und Adidas schafften es auf den zweiten Platz beziehungsweise in die Kategorie "auf dem Weg".