Diakoniechef: Kirchliche Sozialeinrichtungen sollen sich öffnen

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat die evangelischen Sozialeinrichtungen aufgerufen, mehr Mitarbeiter aus anderen Kulturen zu beschäftigen.

Mut zur Veränderung sei unter anderem mit Blick auf die Migration unabdingbar, sagte Lilie bei einer Festveranstaltung zum 125-jährigen Bestehen des Leipziger Diakonissenhauses am Samstag. Mitarbeiter und Unternehmen der Diakonie müssten "kultursensibel" sein und auf die Bedürfnisse von Menschen und Patienten aus anderen Ländern eingehen. Sinnvoll sei daher, sich auch für nicht-christliche Angestellte aus anderen Kulturen zu öffnen, erklärte Lilie in Leipzig.

Der Präsident der Diakonie Deutschland würdigte in seinem Festvortrag im sogenannten Mutterhaus der evangelischen Schwesternschaft die diakonische Tradition des "Dazwischengehens" in sozialen Schieflagen. Die Gründer des Leipziger Diakonissenhauses hätten vor 125 Jahren "Mut und eine entschlossene Herangehensweise" bewiesen, sagte Lilie. Dies sei auch heute nötig.

Das Diakonissenhaus Leipzig wurde am 1. Februar 1891 gegründet. Damals wurden zunächst acht Schwestern zum Dienst an alten, kranken und schwachen Menschen aufgenommen. Zu Spitzenzeiten zählte die Schwesternschaft mehr als 200 Frauen. Heute leben noch neun Diakonissen im Ruhestand auf dem Gelände in Lindenau. Im Jahr 1900 wurde dort auch ein Diakonissen-Krankenhaus gegründet, das heute über 250 Betten verfügt und jährlich rund 14.000 stationäre Patienten versorgt.

Die Bezeichnung Diakonissen leitet sich vom griechischen Diakonos (Diener) ab. Die Frauen, die zumeist gemeinsam in der evangelischen Dienst- und Glaubensgemeinschaft wohnen, haben sich einem einfachen, ehelosen und keuschen Lebensstil verpflichtet und arbeiten in Gemeinden, Kliniken, der Altenpflege oder mit Jugendlichen. Die erste "Pflegerinnen- und Diakonissenanstalt" wurde 1836 durch den Pfarrer Theodor Fliedner (1800-1864) in Kaiserswerth bei Düsseldorf gegründet.