Bischöfin Junkermann: Syrien-Einsatz verhindert Vermittlerrolle Deutschlands

Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Foto: epd-bild/Viktoria Kühne

Ilse Junkermann ist Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Mit dem Syrien-Einsatz der Bundeswehr hat Deutschland nach Auffassung der mitteldeutschen Landesbischöfin Ilse Junkermann die Chance einer Vermittlerrolle in dem Konflikt aufgegeben.

"Diese Möglichkeit haben wir uns selbst genommen", sagte die evangelische Theologin am Dienstagabend in Erfurt. Aus verständlicher Solidarität mit Frankreich habe sich die Bundesrepublik in eine Spirale von Gewalt hinein ziehen lassen. Junkermann nannte als positives Gegenbeispiel die vermittelnde Rolle der Bundesregierung im Ukraine-Konflikt. "Wir setzen uns ein für gewaltfreie Intervention - das wäre die wichtige Rolle Deutschlands in der Weltpolitik", sagte die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Diese Möglichkeit bestehe in Syrien nicht mehr: "Deutschland ist seit Januar im Krieg."

Die Theologin kritisierte, dass der Syrien-Einsatz nicht breit politisch diskutiert worden sei. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms habe festgestellt, dass in keiner Weise die Kriterien der EKD-Friedensdenkschrift erfüllt seien. So gebe es weder einen UN-Beschluss noch eine Konzeption zur Beendigung des Einsatzes, eine sogenannte "Exit-Strategie".

Junkermann steht an der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die Landeskirche umfasst rund 750.000 Mitglieder vor allem in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen.