Gemeindebrief-Text von Theo Lehmann sorgt für Aufregung

Theologe Theo Lehmann

Foto: KunstWerk/W.Köbke

Theologe Theo Lehmann

Ein mehr als zehn Jahre alter umstrittener Text des pensionierten evangelischen Pfarrers Theo Lehmann aus Chemnitz sorgt für Wirbel. Der Theologe hatte darin 2004 unter dem Titel "Das Land ist still" gefordert: "Wir sollten die Atempause benutzen, um uns auf Zeiten vorzubereiten, in denen Christsein nicht mehr 'geil', sondern gefährlich ist. Was wir brauchen, sind bibelfeste und notfalls auch feuerfeste, KZ-fähige Christen."

Aktuell wurde der Text in einem Gemeindebrief der Stadtmission Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) veröffentlicht (Dezemberausgabe) und von der Chemnitzer Ausgabe der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) zitiert. Das Blatt rückte den KZ-Vergleich dabei in den Vordergrund.

Mit dem Abdruck im Gemeindebrief habe er die weltweit ständig schlimmer werdende Christenverfolgung deutlich machen wollen, sagte der Herausgeber des Gemeindeblattes, Prediger Rainer Wagner, auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Die erneute Veröffentlichung sei von Lehmann nicht autorisiert. Aktuell wurde der Text mit Äußerungen des Chemnitzer Predigers aus einem anderen Zusammenhang ergänzt. Darin spricht der Theologe von "Flüchtlingen, die eure Länder überfluten".

Beliebter Jugendprediger in der DDR

Der sächsische kirchliche Weltanschauungs- und Sektenbeauftragte Harald Lamprecht sprach von einer "Fälschung", die die Aussage beider Texte erheblich verändere. Im Ergebnis werde "Angst vor dem Islam und den Flüchtlingen erzeugt", erklärte Lamprecht. Unter der neuen Überschrift "Theo Lehmann spricht Klartext. Eine eindringliche Botschaft zu uns Christen" werde suggeriert, einen aktuellen Beitrag von Lehmann zur Flüchtlingsdebatte darzustellen. "Diejenigen, die solche zusammengeschusterten Falschmeldungen verbreiten, müssen sich fragen lassen, was sie damit bezwecken und wem sie damit dienen", kritisierte Lamprecht. Im Sinne des Christentums sei das keinesfalls.

Lehmann selbst bestätigte auf epd-Anfrage in Chemnitz, dass der Text aus dem Jahr 2004 stammt und er vor der erneuten Veröffentlichung nicht gefragt worden sei. Er würde heute "vermutlich noch schärfer formulieren", sagte Lehmann, wollte sich aber aktuell dazu öffentlich nicht weiter äußern. Der 81-Jährige war einer der beliebtesten Jugendprediger in der DDR, seine Jugendgottesdienste in Chemnitz zogen regelmäßig Tausende Jugendliche an.



Der 64-jährige Bundesverdienstkreuzträger wurde bekannt als langjähriger Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS). Beide Ämter hat er seit 2015 nicht mehr inne.

Theo Lehmann wurde wegen seiner kirchlichen Aktivitäten in der DDR von der Stasi verfolgt. In den vergangenen Jahren machte der Prediger innerhalb der Kirche mit konservativen Positionen von sich reden. So gehört er zu einem Kreis Geistlicher in der sächsischen Landeskirche, die eine Öffnung sächsischer Pfarrhäuser für homosexuelle Paare komplett ablehnen.

In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, Wagner sei 2012 von der Evangelischen Kirche der Pfalz wegen islamfeindlicher Haltung ermahnt worden. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst stellte er richtig:

"Unwahr ist die Behauptung in beiden Artikeln: 'Wegen seiner islamfeindlichen Haltung war Wagner 2012 von der Evangelischen Kirche der Pfalz ermahnt worden.' Wahr ist, dass ich 2012 in keiner Weise von der Evangelischen Kirche der Pfalz wegen einer angeblichen islamfeindlichen Haltung ermahnt wurde."