Ein Platz für Tiere

Ein bunter, üppiger Garten oder Balkon ist eine Augenweide, keine Frage, und lässt den erfolgreichen Hobbygärtner je nach Temperament vor Stolz platzen oder andächtig mit verklärtem Blick vor dem Blumenbeet innehalten. Aber, seien wir ehrlich, spannend wird es erst dann, wenn Leben in die Bude bzw. den Outdoor-Bereich kommt. Ohne das Summen, Zwitschern, Quaken, ohne die Balzrituale, Revierkämpfe und Familiendramen wäre der Garten doch ein bedeutend langweiligerer Ort.

Wir jedenfalls haben viel Freude an den soap operas, die sich vor unserem Fenster abspielen. Die Vögel sorgen für ausgezeichnete Unterhaltung, die Hummeln und Bienen für sommerlichen Background-Sound. Zwar sind nicht alle unserer ein-, zwei-, vier-, sechs- und achtbeinigen Besucher unbedingt willkommen. Aber so ist das eben in der Natur, man kann sich seine Gäste nicht immer aussuchen. Und letzten Endes hat ja jedes Lebewesen seinen Platz im großen Plan des Lebens und sollte es deshalb auch in unseren Mikro-Universen hinter dem Haus haben.

Deshalb sind wir bemüht, der heimischen Fauna in unserem Garten einen attraktiven Aufenthaltsort zu bieten –wildlife gardening ist das Stichwort. Auch auf Balkonen und Veranden lässt sich durch gezielte Bepflanzung und ein paar einfache Maßnahmen eine artgerechte Umgebung schaffen und die Tierwelt auf diese Weise unterstützen.

Je nachdem, welche Besucher angelockt werden sollen, sind die Bedürfnisse natürlich unterschiedlich. Um die Details, welche Tiere welche Nahrungs- und Lebensräume benötigen, soll es in den nächsten Wochen in diesem Blog gehen (Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Igel, Fledermäuse, Teichbewohner). Doch einige Grundregeln gelten für alle Gärtner, die zugleich Gastgeber von gefiederten, bepelzten, geflügelten und bestachelten Besuchern sein möchten:

  • Artgerechte Nahrung, Wasser, Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten.
  • Möglichst viel Grün bereitstellen, möglichst wenig versiegelte Böden (Trittsteine statt betonierter Wege, Mauern und Zäune begrünen, naturbelassene Terrassen statt großflächiger Holz-Decks)
  • Flora für die Fauna: Nektarreiche Pflanzen und Blüten einpflanzen. Bevorzugt einheimisches Grünzeug, aber es darf auch ruhig etwas "Exotisches"dabei sein: Dahlien etwa kommen aus Mexiko, Schmetterlingsflieder aus China, Lavendel aus dem Mittelmeerraum, trotzdem sind diese auch bei den nord- und mitteleuropäischen Hummeln, Bienen und Schmetterlingen sehr beliebt. Wichtig ist lediglich, dass möglichst ungefüllte Sorten gewählt werden, denn dann können die Insekten den Nektar besser erreichen, gefüllte Sorten erschweren den Zugang.
  • Kein Gift, also keine Pestizide, keine Insektizide verwenden. Auch Schneckenkorn, das gern als unschädlich für Haustiere oder "Wildtier-freundlich"angepriesen wird, ist in der Regel alles andere als gut für Vögel.
  • Nicht zu viel Ordnung walten lassen, Natur ist nun mal von Natur aus unordentlich. Deshalb, wenn möglich, eine oder mehrere Ecken unbewirtschaftet lassen –langes Gras, Laubhäufen, verrottendes Holz und Brennesseln bieten wertvollen Lebensraum.

Nicht jeder Tipp wird sich in jedem Garten verwirklichen lassen, sei es aus Platzgründen, wegen der klimatischen Verhältnisse, oder, wie bei uns, dass man zur Miete wohnt und den Garten nur in einem bestimmten Rahmen nach den eigenen Vorstellungen ummodeln kann. Und wie immer in der Natur kann natürlich nichts versprochen werden (wie schon W. C. Fields sagte: "Never work with animals or children"), aber wenn es gelingt, ist ein großer Unterhaltungswert beim Blick nach draußen garantiert.