Kirche hofft in Rio auf "ökologisches Wirtschaftswunder"

Foto: epd-bild/Michael McKee
Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Kirche hofft in Rio auf "ökologisches Wirtschaftswunder"
Mit einer Bibel im Notebook und einem Herzenswunsch auf der Seele reist Heinrich Bedford-Strohm zur Weltkonferenz der Vereinten Nationen nach Brasilien. Der bayerische evangelische Landesbischof hofft auf Anstöße zu einem "ökologischen Wirtschaftswunder". Drei Fragen an den Geistlichen, der in Rio die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertritt.
19.06.2012
Elvira Treffinger

Bedford-Strohm (52) will der Stimme der Kirchen auf dem UN-Gipfel "Rio+20" Gehör verschaffen. Für den Sozialethiker geht es um Zukunftsfragen der Menschheit, wenn sich Regierungsvertreter von fast 190 Staaten von Mittwoch bis Freitag in Brasilien treffen. Als Mitglied der deutschen Delegation unter Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) will Bedford-Strohm die Verhandlungen aus nächster Nähe verfolgen.

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Herr Bischof, warum fliegen Sie zum Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro?

Bedford-Strohm: Ich trete seit vielen Jahren dafür ein, dass sich die Kirchen einmischen, wenn es um ethische Grundorientierungen der Politik geht. "Rio+20" ist eine ganz wichtige Konferenz für die Zukunft der Welt. Es geht um den Klimawandel und soziale Gerechtigkeit: Das lässt sich nicht voneinander trennen. Denn der Klimawandel hat bereits gravierende Folgen für die Schwächsten auf der Erde. Natürlich ist Rio vor allem eine Konferenz der Regierungen. Nach meiner Erfahrung findet die Stimme der Kirche aber Gehör bei Menschen, die politische Verantwortung tragen. Insgeheim wünschen sie sich den Segen der Kirche für ihr Tun.

Sind Sie enttäuscht, dass Bundeskanzlerin Merkel nicht nach Rio fährt?

Bedford-Strohm: Ja, ich bedauere das. Die Anwesenheit oder Nicht-Anwesenheit signalisiert schon, welche Priorität eine Angelegenheit hat. Daher wünsche ich mir, dass Frau Merkel ihre Entscheidung noch einmal überdenkt. In jedem Fall hoffe ich, dass es gelingt, die Bedeutung der Konferenz bewusstzumachen. Es geht um ein weltweites Umsteuern, auch bei uns. Sonst brauchen wir im Jahr 2030 eine weitere Erde. Die haben wir nicht. Dieses Problem ist so glasklar, dass das niemand widerlegen kann. Wir brauchen klare politische Entscheidungen.

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In welche Richtung? Müssen wir in Deutschland dann auch Verzicht üben?

Bedford-Strohm: Ganz im Zentrum steht im Moment die Energiewende. Da müssen wir einfach ehrgeizig sein. Wir müssen eine Art "ökologisches Wirtschaftswunder" anstoßen. Wir müssen den gesammelten Sachverstand unserer Ingenieure und Ökonomen einsetzen, um eine Wirtschaft zu entwickeln, die mit weniger Ressourcen auskommt. Wir müssen den gesammelten Sachverstand unserer Ingenieure und Ökonomen einsetzen, damit wir mit weniger Ressourcen weiter soviel produzieren können wie bisher. Unser Verbrauch an Energie und Rohstoffen muss sinken, damit sich Menschen in anderen Teilen der Welt auch entwickeln können. Wir haben in der Umwelttechnologie große Kompetenzen in Deutschland. Deshalb hoffe ich, dass wir vorangehen und der Welt zeigen, dass es geht: Gut zu leben und so zu leben, dass alle Menschen auf der Welt in Würde leben können. Glück hängt nicht allein vom materiellen Wohlstand ab.