Schwere Vorwürfe gegen Israel

Ambulanz fährt über einen Grenzübergang zwischen
Palästinensischen Gebiet und Ägypten
Mohammed Talatene/dpa
Ein Krankenwagen fährt mit den bei einem israelischen Luftangriff getöteten Mitarbeiter:innen der Hilfsorganisation World Central Kitchen über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten.
Hilfsorganisationen
Schwere Vorwürfe gegen Israel
Im Gaza-Streifen wurden bereits hunderte humanitäre Helfer getötet. Viele Hilfsorganisationen sind in Sorge um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter - und fordern Israel zum Handeln auf.

Angesichts von rund 200 getöteten humanitären Helferinnen und Helfern im Krieg in Gaza haben internationale Hilfsorganisationen schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Die Tötungen seien entweder absichtlich erfolgt oder zeigten schiere Inkompetenz, sagte der Generalsekretär von "Ärzte ohne Grenzen", Christopher Lockyear, am Donnerstag in Genf. Auch Organisationen wie Oxfam oder "Save the Children" fürchten um die Sicherheit ihrer Beschäftigten.

Lockyear sagte, die Tötungen seien eine politische Entscheidung Israels und die Täter gingen bedauerlicherweise straffrei aus. Die Verbündeten Israels ermöglichten diese Brutalität. Zuvor waren sieben internationale Mitarbeitende der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) im Gaza-Streifen bei einem israelischen Beschuss getötet worden. Israels Armee kündigte eine Untersuchung der Tötungen an.

Scharfe Kritik kam auch von Oxfam. Das Töten von humanitären Helferinnen und Helfern sei "systematisch", sagte der stellvertretende Direktor für Frieden und Sicherheit bei der Entwicklungsorganisation, Paul Scott. Obwohl die Hilfsorganisationen bei jeder Bewegungen ihre Koordinaten an die israelischen Behörden meldeten, sei das keine Sicherheitsgarantie für die Helferinnen und Helfer. "Im Gaza-Streifen ist es nirgendwo sicher", sagte Scott.

Viele Organisationen wie medico international arbeiten im Gaza-Streifen mit palästinensischen Partnern zusammen. "Als Palästinenserinnen und Palästinenser gibt es für sie keinen Weg raus", sagte Riad Othman, Nahostreferent von medico international dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er versicherte, dass die Organisation ihre Partner weiter unterstützen werde, solange sie ihre Arbeit fortführen können.

Trotz Gefahr in Gaza weiter helfen

Die meisten Organisationen wollen trotz der Gefahren weiter Hilfe in Gaza leisten. "Wir sind nicht besonders sicher hier, aber die Bevölkerung in Gaza ist es auch nicht", sagte Karyn Beattie, Teamleiterin von "Save the Children" in Gaza. Sie forderte gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen einen Waffenstillstand sowie ein Ende der Waffenlieferungen an Israel.

Auch die Hilfsorganisation "International Rescue Committee" (IRC), für die derzeit vier internationale und 16 lokale Mitarbeitende in Gaza im Einsatz sind, forderte die israelische Regierung auf, die "Art und Weise der Kriegsführung"zu ändern. Israel müsse sicherstellen, dass Zivilistinnen und Zivilisten, Mitarbeitende von Hilfsorganisationen sowie zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen und Unterkünfte nicht angegriffen werden, teilte die Organisation auf Anfrage mit.

Der Gaza-Streifen ist seit Oktober 2023 der weltweit tödlichste Ort für Mitarbeitende von Hilfsorganisationen. Nach Angaben der Aid Worker Security Database, einer von der US-amerikanischen Regierung finanzierten Datenbank, wurden seit Beginn des Krieges mehr als 203 Mitarbeitende von Hilfsorganisationen in Gaza getötet. Allein das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, UNRWA, meldete seit Beginn der Gewalt mit mehr als 170 die meisten getöteten Mitarbeiter.