Religionsfreiheit weltweit in der Krise

Auf den Philippinen studieren Christen zu Hause die Bibel
© WVI/Open Doors
Mitglieder einer Hauskirche studieren in Zamboanga auf den Philippinen gemeinsam die Bibel.
Hilfswerk
Religionsfreiheit weltweit in der Krise
Massive Verletzungen des Menschenrechts auf Religions- und Glaubensfreiheit beklagt das christliche Hilfswerk "Open Doors" seit Jahren. Der neue Weltverfolgungsindex 2024 zeichnet ein noch düsteres Bild der Lage von Christen in zahlreichen Ländern.

Anhaltend massive Verletzungen der Religions- und Glaubensfreiheit in zahlreichen Ländern beklagt die christliche Hilfsorganisation "Open Doors". Nach dem am Mittwoch im hessischen Kelkheim vorgestellten Weltverfolgungsindex für das Jahr 2024 erreicht die Gewalt gegen Christen einen neuen Höhepunkt. "Open Doors"-Deutschland-Leiter Markus Rode appellierte an Politik und Medien, sich stärker für die Religionsfreiheit von Millionen verfolgter Christen einzusetzen.

Die zehn Länder mit der stärksten Christenverfolgung sind den Angaben nach Nordkorea, gefolgt von Somalia, Libyen, Eritrea, Jemen, Nigeria, Pakistan, Sudan, Iran und Afghanistan. Fast alle diese Länder fanden sich bereits in den Vorjahren auf den ersten Rängen der Negativ-Rangliste von 50 Ländern, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens der stärksten Verfolgung ausgesetzt sind. Indien und China belegen die Ränge 11 und 19.

Rund 5.000 Christen seien weltweit wegen der Ausübung ihres Glaubens getötet worden, allein 4.118 in Nigeria, so "Open Doors". Im Vorjahreszeitraum waren es insgesamt mindestens 5.621 getötete Christen. Von physischer Gewalt oder Todesdrohungen seien 42.849 Christen betroffen, im Vorjahres-Index waren es 29.411. Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2024 ist der 1. Oktober 2022 bis 30. September 2023.

Angriffe auf Häuser von Christen haben dem Index zufolge gegenüber 2023 von 4.547 auf 21.431 zugenommen. 278.716 Christen seien aus ihren Häusern vertrieben worden, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 124.310. Insgesamt seien 365 Millionen Christen weltweit wegen ihres Glaubens mindestens in hohem Maße Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Die meisten Kirchen wurden laut Index in China, Indien, Nigeria, Nicaragua, Äthiopien, Ruanda, Sudan, Burkina Faso, Niger und Angola angegriffen.

In Indien stelle sich die Situation für Christen sehr unterschiedlich dar. Ihre Lage habe sich in einigen Landesteilen rapide verschlechtert und in anderen verbessert. Das Epizentrum des sprunghaften Anstiegs von Gewalt und Vertreibung war danach der nordöstliche Bundesstaat Manipur. Im Mai 2023 seien nach Angaben des für die Region zuständigen Erzbischofs von Imphal bei Ausbrüchen von Gewalt gegen Christen in nur 36 Stunden 249 Kirchen zerstört worden. Mehr als 100 Christen seien dabei ermordet, Zehntausende vertrieben worden, so "Open Doors".

In Subsahara-Afrika seien Christen und Kirchen am stärksten von Gewalt betroffen. Dieser Trend habe sich, so "Open Doors", weiter verstärkt: "Doch selbst wenn sie nicht explizit aus religiösen Gründen angegriffen werden, sind Christen in ganz Subsahara-Afrika im Rahmen der allgemeinen Konflikte in der Region, wie etwa in Äthiopien, Sudan und Kamerun, besonders gefährdet." Christen seien "weiche Ziele", die ohne besonderes Risiko angegriffen werden können.

Angeprangert wird auch die anhaltende Unterdrückung von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens in China. Die Regierung in Peking habe mittels alter und neuer Maßnahmen weitere 10.000 Kirchen schließen oder zerstören lassen. In Pakistan und Indien seien es dagegen aufgewiegelte Volksmengen, die Kirchen attackieren.

Der Weltverfolgungsindex basiert den Angaben zufolge auf der Erhebung von dokumentierten Übergriffen auf Christen und Gemeinden in den einzelnen Ländern. Das überkonfessionelle Hilfswerk "Open Doors" ist seit 1955 in mittlerweile mehr als 70 Ländern für verfolgte Christen aktiv. Der deutsche Zweig ist als Verein organisiert und wird vor allem von Freikirchen unterstützt.