Festakt zu "500 Jahre Wormser Reichstag"

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in der Magnuskirche in Worms bei der Probe für den ZDF-Fernsehgottesdienst zu 500 Jahre Luther in Worms.
© epd-bild/Thomas Lohnes
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in der Magnuskirche in Worms bei der Probe für den ZDF-Fernsehgottesdienst zu 500 Jahre Luther in Worms.
Festakt zu "500 Jahre Wormser Reichstag"
Kirchenpräsident Jung: "Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich"
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Stadt Worms haben das Jubiläum am Sonntag mit einem ZDF-Fernsehgottesdienst begangen, der an den Widerspruch des Reformators Martin Luthers vor Kaiser Karl V. in Worms vor 500 Jahren erinnerte.

"Um des Evangeliums willen ist Widerspruch und Widerstand überall dort nötig, wo Menschen gefoltert, erniedrigt, vergewaltigt, hingerichtet werden", erklärte dazu der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. "All das widerspricht der Würde, die Gott in jedes Menschenleben hineingelegt hat", sagte er in dem Gottesdienst unter dem Motto "wagemutig" aus der Magnuskirche in Worms. 

Widerspruch sei deshalb auch nötig gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. "Da muss man sich in Luthers Schuhen auch gegen manche Äußerung von Luther selbst stellen. Und natürlich auch gegen Fehler und Missstände in unseren Kirchen", sagte Jung.

Der Kirchenpräsident wandte sich aber gegen die Vereinnahmung des Reformators für jeden Widerspruch. "Dafür einzutreten, wovon man überzeugt ist, ist gut. Aber Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich. Es gibt Menschen, die standhaft widersprechen und sehr viel Unsinn vertreten", sagte Jung. "Widerspruch heißt dann Querdenken", sagte er mit Blick auf Corona-Leugner. 

Ökumenische Geschwisterlichkeit

Luther habe sich auf das Evangelium und die Vernunft gestützt, um zu einem Urteil zu kommen. Er habe aber gewusst, dass Menschen sich irren können. "Deshalb hat er sehr deutlich gesagt, dass er widerruft, wenn er widerlegt wird." Jung nannte das "eine wichtige Prüffrage: Ist jemand bereit, auch kritisch auf die eigene Meinung zu schauen? Skeptisch werde ich immer dann, wenn Menschen neben ihrer Meinung nichts anderes mehr gelten lassen."

Der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nannte es ein starkes Zeichen für eine gute ökumenische Geschwisterlichkeit, dass er bei der Feier dabei sein dürfe. Die Glaubensstärke Luthers nötige auch ihm Respekt ab. Die Kirchen könnten sich im Zeitalter der Ökumene so begegnen, wie es Papst Franziskus einmal formuliert habe: "Sich gegenseitig in das Gesicht sehen, einander den Friedenskuss geben, füreinander beten und natürlich miteinander beten, auf der Grundlage der einen Taufe und des einen Glaubens", sagte Kohlgraf. "Auch heute ermutigen uns Menschen wie Martin Luther zur ständigen Erneuerung aus dem Evangelium."

Kirchengeschichtlicher Schlüsselmoment

Die Reise des Reformators Martin Luther (1483-1546) von Wittenberg nach Worms gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte. Bei seinem mutigen Auftritt auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V. am 16. und 17. April 1521 weigerte er sich, die eigenen Lehren zu widerrufen. Luther beharrte darauf: Wenn er nicht durch die Bibel und klare Vernunftgründe überzeugt werde, könne er nicht gegen sein Gewissen handeln. Wenig später sprach der Kaiser die Reichsacht über Luther aus und erklärte ihn für vogelfrei. Die Reformation jedoch breitete sich umso schneller aus.

Bereits am Freitag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Videoansprache gehalten, Botschaften wurden entweder per Video oder Live-Zuschaltung neben anderen von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und dem Mainzer katholischen Bischof Peter Kohlgraf übermittelt. Am Samstag hat die EKHN mit einem multimedialen Spektakel auf dem Wormser Marktplatz an Luthers Verteidigungsrede erinnert.

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