Theologe: Mission und Toleranz schließen sich nicht aus

Jumiko
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Die 26. Jugendkonferenz für Weltmission Stuttgart 2019 findet am 6.1.2019 auf der Neuen Messe am Flughafen Stuttgart statt.
Theologe: Mission und Toleranz schließen sich nicht aus
Cornelius Kuttler, Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg, erzählt im Interview, warum viele junge Menschen zu Missionaren werden.

An diesem Sonntag (6. Januar) werden etwa 5.000 Teilnehmer zur jährlichen Jugendmissionskonferenz (JuMiKo) auf der Stuttgarter Messe erwartet. Einer der Redner ist der Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW), Pfarrer Cornelius Kuttler. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärt der Theologe, was Mission bedeutet - und was nicht. Und warum viele junge Menschen selbst zu Missionaren werden.

Herr Kuttler, was motiviert Ihrer Meinung nach so viele junge Menschen zur JuMiKo zu kommen - und vielleicht sogar ein Jahr oder länger selbst als Missionar ins Ausland zu gehen?

Cornelius Kuttler
Cornelius Kuttler: Einerseits geht es um eine Horizonterweiterung im Glauben dieser jungen Menschen. Auch der Wunsch, anderen das Evangelium von Jesus Christus weiterzusagen, spielt sicher eine wichtige Rolle. Ein Grund für das Interesse an missionarischem Engagement im Ausland liegt meines Erachtens auch darin begründet, dass durch das Abitur nach der 12. Klasse die Jugendlichen ein Jahr gewinnen, das sie mit Freiwilligendienst und ähnlichen Erfahrungen im Ausland füllen. Oder sie schließen einen Auslandseinsatz an eine Ausbildung oder einen Studienabschluss an.

 

Die JuMiKo steht unter dem Thema "Keine Kompromisse: Radikal l(i)eben." Kritiker sehen in der Mission einen kompromisslosen Absolutheitsanspruch, der nicht mit einem toleranten Miteinander zu vereinbaren ist. Wie stehen Sie dazu?

Kuttler: Mission und tolerantes Miteinander schließen sich für mich nicht aus, da Toleranz meint, andere Meinungen und Lebensstile zu akzeptieren und die eigene Lebensauffassung mit ihnen ins Gespräch zu bringen. Mission ist nicht Zwang, sondern Einladung, den Glauben an Jesus Christus kennenzulernen und im eigenen Leben zu erproben.

Ich selbst habe ein ganzheitliches Missionsverständnis, das die Verkündigung des Evangeliums, eine diakonische Zuwendung auf Augenhöhe und einen missionarischen Lebensstil verbindet. Mission heißt, davon zu erzählen, was Jesus für uns bedeutet und wie der Glaube an Jesus Christus Leben prägt und verändert. Nicht verschweigen dürfen wir, dass Mission durch die Verquickung mit kolonialistischen Ideen in vergangenen Jahrhunderten immer wieder nicht dem Sendungsauftrag Jesu entsprochen hat. 

Sie sind Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Welche Rolle spielt in Ihrem Werk Mission?

Kuttler: Das EJW ist kein Missionswerk. Wir haben aber durch den "EJW-Weltdienst", der mit dem CVJM-Weltdienst verbunden ist, enge internationale Beziehungen zu Partnern in Afrika, Palästina und Osteuropa. Diese Partnerorganisationen leben ihren Glauben an Jesus Christus in Wort und Tat und setzen somit einen missionarischen Lebensstil um. Wir unterstützen diese Partner finanziell, durch Workcamps oder Freiwilligendienste und sind mit ihnen im Gebet verbunden.

Der Gedanke der Mission - verstanden als "Sendung zu den Menschen" - spielt auch im EJW eine grundlegende Rolle. Deshalb will das EJW "jungen Menschen zum persönlichen Glauben an Jesus Christus und zur Bewährung dieses Glaubens in den vielfältigen Aufgaben unserer Welt helfen" - wie es in unserer Ordnung heißt.