Hessische Kirche stellt sich hinter Transsexuelle

Transgender

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Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) macht sich für Transsexuelle stark. "Es gibt Menschen, die sich zwischen oder jenseits eines zweigeschlechtlich definierten Lebens befinden", schreibt Kirchenpräsident Volker Jung im Vorwort einer Broschüre zum Thema, die am 26. April in einer Auflage von 2.000 Exemplaren erscheint.

"Das gehört zu der Vielfalt, in der Gott uns geschaffen hat." Mit der Handreichung habe sich erstmals eine Kirche in Deutschland eingehend mit der Transsexualität auseinandergesetzt, sagte der EKHN-Pressesprecher Volker Rahn am Freitag in Frankfurt am Main. "Aus Sicht der Natur- und Gesellschaftswissenschaften gibt es eine Beschränkung auf zwei Geschlechter nicht", erklärte der Darmstädter Theologe und Mitautor der Broschüre, Gerhard Schreiber. Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland hätten eine natürliche Variante der beiden Geschlechter weiblich und männlich. Lange sei der Transsexualität eine psychische Störung unterstellt worden, was Leid und Gewalt für diese Menschen zur Folge gehabt habe. Die Kirchen müssten die biblische Botschaft stärker vertreten, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Kennzeichnung Ebenbild Gottes sei. "Am Umgang mit Minderheiten zeigt sich, wofür Kirche einsteht", sagte Schreiber.

Die Handreichung sei ein erster Anstoß der EKHN, sagte das Mitglied der Kirchenleitung, Christine Noschka. Die Kirche wolle offen für alle Menschen sein und für diejenigen am Rand der Gesellschaft eintreten. Das Evangelium sage allen Menschen ein Leben in Würde zu. "Wir müssen es gefälligst aushalten, dass nicht alle Mainstream sind", sagte die Dezernentin für Kirchliche Dienste. So solle die Kirche etwa Formulare nach Geschlechtseinträgen überprüfen. Den Anstoß zu der Auseinandersetzung habe die Evangelische Jugend in Hessen und Nassau gegeben.

Konkret sollten Gemeinden das Psalmenbeten im Gottesdienst im Wechsel zwischen Männern und Frauen hinterfragen, regte der Landesjugendpfarrer Gernot Bach-Leucht als Leiter der Autorengruppe an. Auch müssten sich Pfarrer fragen, wo sie Trans-Jugendliche auf Konfirmandenfreizeiten unterbringen. Die Broschüre gibt Hilfestellung zum Umgang mit Transsexuellen. Auf die Frage: "Wie spreche ich mein Gegenüber jetzt eigentlich an?" rät sie: "So, wie er/sie das möchte und formuliert hat: mit dem neuen Namen und dem dazu passenden Pronomen."

Die 40 Seiten starke Handreichung lässt Transsexuelle von sich berichten, zeigt theologische Perspektiven auf und informiert über die Erkenntnisse der Hirnforschung zu Transsexualität. Außerdem gibt die Broschüre praktisch Anregungen für den Alltag der Kirchengemeinde, erläutert medizinische Interventionsmöglichkeiten und gibt Hinweise für weiterführende Informationen. Sie ist für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirche und für Interessierte gedacht. Online ist die Schrift bereits unter www.unsere.ekhn.de abrufbar.