Passauer Bischof beklagt kirchliches Kommunikationsdefizit

Der Passauer katholische Bischof Stefan Oster sieht ein Defizit in der Kommunikation als Grund dafür, dass sich junge Menschen immer stärker von der Kirche entfremden. Man habe zwar Antworten auf viele Fragen, sagte Oster im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks.

Doch gelinge es der Kirche nur schlecht, diese Antworten in die Sprache der Jugendlichen zu übersetzen. Priester und pastorale Mitarbeiter seien in diesem Punkt nicht gut genug ausgebildet worden. 

Nach Ansicht des Bischofs gibt es vor allem drei große Themen, die zur Entfremdung zwischen den Jugendlichen und der Kirche führten: Erstens gehe es um die Fragen von Sexualität, Zölibat und den Umgang mit Geschiedenen, zweitens um die Diskrepanz zwischen einem modernen Weltbild und dem kirchlichen Verständnis von Welt und Gesellschaft. Drittens verbänden Jugendliche Religion teilweise mit Gewalt und Ursache von Krieg. Oster forderte, dem ein stärkeres christliches Engagement entgegenzusetzen. Hier könne man von den evangelischen Freikirchen lernen.


Angesichts der antiisraelischen Proteste in Deutschland rief Oster zudem dazu auf, sich gegen jede Form von Antisemitismus zu stellen. Die Christen müssten mit aller Konsequenz auf der Seite der jüdischen Mitbürger stehen, sagt Oster. Die Kirche habe in der Vergangenheit Fehler im Umgang mit dem Judentum gemacht. Das habe man inzwischen aufgearbeitet. 

Mit Blick auf die Jerusalem-Debatte forderte Oster, die internationale Gemeinschaft müsse dafür Sorge tragen, dass Gläubige aller Religionen weiter Zugang zu den Heiligen Stätten haben. Jerusalem sei zuallererst die heilige Stadt der Juden, aber ebenfalls die heilige Stadt der Christen und der Muslime.