Die Ökumene braucht einen langen Atem

Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, Catholica-Beauftragter der VELKD, bei seinem Bericht.

Foto: Norbert Neetz

Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, Catholica-Beauftragter der VELKD, bei seinem Bericht.

Die Catholica-Berichte vor VELKD und UEK zeigen: Es könnte sich etwas bewegen zwischen Evangelischen und Katholiken. Aber nur sehr langsam.

Einen langen Atem für Fortschritte in der Ökumene mit den Katholiken empfiehlt der Catholica-Beauftragte der VELKD, Bischof Karl-Hinrich Manzke. In seinem Bericht vor der gemeinsamen Tagung der VELKD und UEK verwies er immer wieder darauf, dass ökumenische Einigungen Zeit brauchen. "Der lange Atem bleibt Grundvoraussetzung für alle ökumenischen Entwicklungen", betonte Manzke mit Blick auf das Gemeinsame Wort, das der Präsident des Lutherischen Weltbundes Munib Younan und Papst Franziskus am Reformationstag 2016 in Lund unterzeichnet hatten.

Seitdem ist zwischen den deutschen Kirchen ein weiteres Dialog-Dokument namens "Gott und die Würde des Menschen" entstanden, das die Bilaterale Arbeitsgruppe III der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigen Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) erarbeitet hat. Es ist ein Dokument, das Manzke als "Plädoyer dafür, auch in ethischen Fragen vom ökumenischen Konsens in der Anthropologie her zu denken und erst von dort aus die Differenzen anzugehen und einzuordnen" beschreibt.

Weil ethische Einzelfragen oft große ökumenische Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Kirche aufzeigen, beispielsweise die Ausweitung des Ehe-Begriffs auf homosexuelle Paare, blieb das Papier darauf beschränkt, eine Methodik zur Lösung solcher Fragen zu entwickeln. Zwar haben sich die Kirchenleitung der VELKD und die katholische Bischofskonferenz mit dem Dokument auch schon beschäftigt. Aber dieser "offizielle Rezeptionsprozess […] wird seine Zeit in Anspruch nehmen", berichtet Manzke.

Auch wenn der "Grundwasserspiegel der Freundschaft" eindeutig gestiegen sei, rechnet Manzke damit, dass der Weg zu einer Gemeinsamen Erklärung zu Kirche, Amt und Abendmahl noch Jahre braucht – vergleichbar mit dem Weg zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre.

Etwas schneller könnte es gehen, wenn evangelische und katholische Kirche über ihr Kirchenverständnis sprechen. "Wir sind uns in ekklesiologischen Fragen viel näher, als wir gedacht haben", zitierte Kirchenpräsident Christian Schad in seinem Bericht. Er leitet die evangelische Delegation beim Kontaktgesprächskreis von EKD und Deutscher Bischofskonferenz und die zwischen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. In der Vollversammlung der GEKE im September 2018 wird das zitierte Ergebnis vorgestellt. Dann können möglicherweise weitere Gespräche mit dem Vatikan begonnen werden.

Auch bei den Gesprächen über das Amtsverständnis und die apostolische Sukzession sieht Schad die Möglichkeit, dass es ein gemeinsames Verständnis geben könnte. Denn vielleicht könnte das kirchliche Amt anerkannt werden, "wenn es die apostolische Kirche recht verkündigt", auch wenn die Amtsübertragung "nicht nach den Regeln vonstatten ging, die die katholische Theologie für den Normalfall erachtet". Aber auch diese Frage ist noch offen, von Frauenordination gar nicht zu reden. Die Konsultation zwischen GEKE und Vatikan braucht also ebenso Zeit wie die Gespräche zwischen Lutheranern und Katholiken.

2021 jährt sich der Reichstag zu Worms, dann könnte der ökumenische Dialog ein paar Schritte weiter sein, meint der Catholica-Beauftragte Manzke und verweist auf das Jahr 2030. Dann wird die Confessio Augustana 500 Jahre alt. Ein Zeitpunkt, den auch Ökumene-Kardinal Kurt Koch schon nannte, um weiterzukommen mit dem gemeinsamen Verständnis von Kirche, Amt und Abendmahl. Vielleicht hat der lange Atem der Ökumene bis dahin einmal neu Luft geholt.