Dialog zwischen katholischer Kirche und Ditib stockt

Der Dialog der katholischen Kirche mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion in Deutschland (Ditib) ist seit dem Putschversuch in der Türkei ins Stocken geraten. Grund sei unter anderem ein Gutachten der Religionsbehörde in der Türkei, in der dem Westen vorgeworfen werde, die Gülen-Bewegung bei einer Zerstörung des Islams zu unterstützen, sagte Georg Bätzing, Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, am Dienstag in Fulda. Man habe die Ditib um eine Stellungnahme gebeten und werte diese nun aus.

"Wir sind irritiert", schilderte Bätzing die kirchliche Reaktion auf das türkische Gutachten. In dem Papier, das in vier Sprachen vorliege, deute sich auch eine Veränderung im Islam- und Religionsverständnis an. Eine bilaterale Begegnung mit der Ditib habe es seit dem Putschversuch nicht mehr gegeben, ergänzte er.

Dennoch brauche es angesichts der aktuellen Spannungen mehr und nicht weniger Dialog mit dem Islam, fuhr Bätzing fort. Es sei nicht sinnvoll, den Islam oder eine andere Religion ihrem Wesen nach als besonders anfällig für Gewalt zu betrachten. "Die Gewalt ist eher im Menschen, nicht in der Religion verortet", sagte Bätzing. Allerdings stehe ein Teil der Anhängerschaft des Islam heute in besonderem Maße in der Versuchung, Gewalt religiös zu begründen. Darüber müsse mit Vertretern des Islam geredet und nach Lösungen gesucht werden. Die Überwindung der religiös begründeten Gewalt könne aber nur von den Muslimen selbst geleistet werden.

Grundsätzlich berge der gemeinsame Glaube an einen barmherzigen Schöpfergott im Islam und im Christentum ein großes Friedenspotential, sagte Bätzing. Dieses müsse im interreligiösen Dialog aktiviert werden. In der katholischen Kirche fördere seit fast 40 Jahren die Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle (Cibedo) das Zusammenleben von Christen und Muslimen, sagte er.

Bode neuer stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz

Noch bis Donnerstag treffen sich die katholischen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Im Mittelpunkt steht das Thema "Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche". Auch aktuelle Fragen zur Flüchtlingsarbeit sowie die Gefahren des internationalen Terrorismus sollen diskutiert werden. Am Dienstagvormittag war zudem der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Er löst den Hildesheimer Bischof Norbert Trelle ab, der Anfang September in den Ruhestand getreten war.

Der Bischofskonferenz gehören derzeit 69 Bischöfe aus den 27 deutschen Diözesen an. Sie tritt regelmäßig im Frühjahr und Herbst zusammen, um die kirchliche Arbeit zu koordinieren und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.