Evangelische Kirche erinnert an NS-Opfer Werner Sylten

Werner Sylten war in der NS-Zeit Pfarrer der Bekennenden Kirche in Thüringen und wurde später Mitarbeiter im Berliner "Büro Grüber", das "rassisch" verfolgten evangelischen Christen half. Sylten, dessen Vater vom Judentum zum evangelischen Glauben konvertiert war, galt unter den Nazis als sogenannter Halbjude.

Mit einem Gottesdienst hat die evangelische Kirche am Sonntag in Berlin an den vor 75 Jahren von den Nazis ermordeten Pfarrer Werner Sylten (1893-1942) erinnert. Syltens klare Haltung gegen rassisches und völkisches Denken bleibe eine Mahnung und sei gerade heute wieder aktuell, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, in seiner Predigt in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Für ihn sei es zudem immer wieder erschütternd, erkennen zu müssen, wie wenig Standhaftigkeit die evangelische Kirche damals gegenüber den Nationalsozialisten gezeigt habe. 

Werner Sylten war in der NS-Zeit Pfarrer der Bekennenden Kirche in Thüringen und wurde später Mitarbeiter im Berliner "Büro Grüber", das "rassisch" verfolgten evangelischen Christen half. Sylten, dessen Vater vom Judentum zum evangelischen Glauben konvertiert war, galt unter den Nazis als sogenannter Halbjude. 



Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 schloss sich Sylten der regimekritischen Bekennenden Kirche an und verlor 1936 sein Pfarramt in der von den "Deutschen Christen" dominierten Thüringer Kirche. 1938 wurde der Theologe Berater von Pfarrer Heinrich Grüber in Berlin. Nach dem Verbot des Büros Ende 1940 und der Verhaftung Grübers musste Sylten das Büro auflösen. Am 27. Februar 1941 wurde auch er verhaftet, zunächst im Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz festgehalten, im Mai 1941 in das KZ Dachau verschleppt und am 12. August 1942 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz ermordet.

Werner Sylten wurde am 9. August 1893 in der Schweiz geboren und studierte Theologie, Nationalökonomie und Sozialpädagogik in Marburg und Berlin. Für die evangelische Kirche arbeitete er zunächst in Göttingen und Hildesheim und übernahm 1925 die Leitung eines Mädchenheims in Bad Köstritz in Thüringen.