Schwuler Imam leitet Freitagsgebet in liberaler Berliner Moschee

Initiatorin Seyran Ates legt sich bei der Erö†ffnung der liberalen Moschee ihren Gebetsteppich bereit.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Initiatorin Seyran Ates legt sich bei der Erö†ffnung der liberalen Moschee ihren Gebetsteppich bereit.

Die Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sorgt seit ihrer Eröffnung im Juni für Gesprächsstoff - jetzt predigt am Freitag dort ein Imam, der sich selbst als schwul und feministisch sieht. Die Moschee steht für einen säkularen liberalen Islam.

Der offen homosexuell lebende französische Imam Ludovic-Mohamed Zahed wird das kommende Freitagsgebet der Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee leiten. In seiner Predigt werde sich der muslimische Geistliche mit dem Thema Homosexualität und Islam beschäftigen, kündigte das Berliner schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo am Donnerstag an.

Ludovic-Mohamed Zahed bezeichnet sich den Angaben zufolge selbst als französischer Muslim, der schwul und feministisch ist. Er wolle nicht mehr, "dass die Leute in meinem Land denken, dass dies eine unmögliche Kombination ist und dass diese verschiedenen Aspekte meiner Identität unvereinbar sind".

Liberale Interpretation des Islam

Der 39-jährige Franzose mit algerischen Wurzeln hat islamische Theologie studiert und 2012 in Paris eine Moschee eröffnet, die Homosexuellen offensteht und in der wie in der Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee Frauen gemeinsam mit Männern beten und kein Kopftuch tragen müssen. Ludovic-Mohamed Zahed hat mehrere Werke veröffentlicht, hält Vorträge über eine liberale Interpretation des Islam in ganz Europa und lebt in einer gleichgeschlechtlichen Ehe.

Die liberale Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee war Mitte Juni in den Räumen einer evangelischen Kirchengemeinde von der in Istanbul geborenen Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ates in Berlin-Moabit gegründet worden. Dort dürfen Frauen und Männer, Sunniten, Schiiten und Aleviten gemeinsam beten. Die Moschee steht für einen säkularen liberalen Islam und grenzt sich damit von den Moscheen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) ab, die von der staatlich-türkischen Religionsbehörde gesteuert werden.

Die Moschee-Gründung hatte zu einem Aufschrei in der konservativen islamischen Welt geführt. Gegen Ates gab es zahlreiche Morddrohungen, sie steht seitdem unter Personenschutz.