Bundestagspräsident zweifelt am Willen der Kirchen zur Einheit

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zweifelt am Willen der evangelischen und katholischen Kirche, ihre Trennung zu überwinden. "Was ich auffällig und fragwürdig finde, ist die Lösung für das Reformationsjahr, in versöhnter Verschiedenheit wirken zu wollen", sagte Lammert am Mittwochabend am Rande des Jahresempfangs des evangelischen Kirchensprengels Hildesheim-Göttingen. Für ihn sei diese Haltung eine "elegante Kapitulationserklärung".

Er könne weder auf katholischer noch auf evangelischer Seite einen ernsthaften Willen erkennen, die Spaltung der Konfessionen zu überwinden, betonte Lammert. Dabei gebe es keinen vernünftigen Grund für eine Trennung. "Es sind ja nicht einmal mehr Glaubensfragen, die die Trennung rechtfertigen, es ist das Selbstverständnis von Institutionen." Vor diesem Hintergrund sei die Haltung der Kirchen irritierend, "ganz gut miteinander auszukommen und sich aneinander gewöhnt zu haben".

Ein Verzicht auf Verschiedenheit sei gar nicht notwendig, unterstrich Lammert. Schon jetzt gebe es in der katholischen Weltkirche unterschiedlichste Strömungen. "Ein gehöriges Maß an Toleranz ist also da." Vor allem die Menschen an der Basis müssten aufeinander zugehen: "Sie sollten nicht auf eine Handlungsanweisung 'von oben' warten."

In der St. Michaeliskirche sprach Lammert zum Thema "Zwischen Reformation und Resignation - Die Verantwortung von Christen in Staat und Gesellschaft" vor rund 840 Gästen. Zum Sprengelempfang werden Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft eingeladen. Jedes Jahr folgen über 500 Personen der Einladung des Evangelischen Regionalbischofs Eckhard Gorka. Referenten in den vergangenen Jahren waren unter anderem Joachim Gauck, Giovanni di Lorenzo und Beatrice von Weizsäcker.

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