"Das Gefühl des Nicht-allein-Seins"

Luther-Preis für Ehepaare Nierth und Lohmeyer
Susanna Nierth bedankte sich für die Auszeichnung mit den Worten: "Ich nehme diesen Preis stellvertretend für unsere Kinder entgegen."

Für ihren beeindruckenden Einsatz gegen Rechtsextremismus sind zwei überregional bekanntgewordene Ehepaare aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit dem Luther-Preis "Das unerschrockene Wort" 2017 geehrt worden. Der frühere Tröglitzer Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) und seine Frau Susanna teilen sich den am Samstag im sächsischen Torgau verliehenen Preis mit dem Ehepaar Horst und Birgit Lohmeyer aus Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, wie der Bund der Lutherstädte mitteilte. Die Ehrung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Als Laudatorin hob die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) am Samstag in der Torgauer Schlosskirche den besonderen Mut der vier Geehrten hervor: "Wer schweigt, stimmt zu. Horst und Birgit Lohmeyer sowie Markus und Susanna Nierth erheben ihre Stimme unerschrocken und mutig gegen Rechtsextremismus." Süssmuth sagte weiter, Populismus weiche nur vor entschlossenem Widerstand und engagierter Zivilcourage zurück. Daher gehe der Preis "Das unerschrockene Wort" zurecht an die beiden Ehepaare.

Markus Nierth war von 2009 bis 2015 ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt. Im Streit über die Unterbringung von Asylbewerbern wurde er massiv von Rechtsextremisten angefeindet. Aus Sorge um seine Familie legte er daraufhin sein Amt nieder, setzte sich gemeinsam mit seiner Frau aber weiter für die Flüchtlinge ein.

Das Künstler-Ehepaar Lohmeyer lebt auf einem alten Forsthof in Jamel, das deutschlandweit als "Nazi-Dorf" Bekanntheit erlangt hat. Seit 2007 veranstalten die Preisträger dort jedes Jahr das Rockfestival "Jamel rockt den Förster" gegen Neonazis. Gut zwei Wochen vor dem Festival 2015 hatte ein Feuer die Scheune auf dem Gelände des Lohmeyer-Hofes komplett zerstört. Die Ermittler gingen damals von Brandstiftung aus.

Susanna Nierth bedankte sich für die Auszeichnung mit den Worten: "Ich nehme diesen Preis stellvertretend für unsere Kinder entgegen." Schließlich sei nicht nur einem Ortsbürgermeister zugesetzt worden: "Tatsächlich war und ist das Leben einer ganzen Familie betroffen und bis heute komplett verändert." Horst Lohmeyer sagte, der Preis gebe seiner Familie "Kraft und das Gefühl des Nicht-allein-Seins im Kampf gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Strömungen" im Land.

"Das unerschrockene Wort" wird seit 1996 alle zwei Jahre im Andenken an das Wirken des Reformators Martin Luther (1483-1546) vergeben. Zuletzt ging der Preis 2015 an den syrischen Journalisten Mazen Darwish und das Syrische Zentrum für Medien- und Meinungsfreiheit. Im Bund der Lutherstädte sind 16 Städte zusammengeschlossen, die jeweils einen Kandidaten aus dem In- oder Ausland für den Preis nominieren dürfen.