Faire Mode macht die Welt ein bisschen besser

Faire Mode bei "frischmut" in Friedrichshafen am Bodensee

Foto: Burkhardt Hellwig

Faire und ökologische Kleidung ist längst zeitgemäß und modisch.

Verantwortung tragen kann hautnah spürbar sein. Und faire Mode muss längst nicht mehr "typisch Öko" aussehen. Das zeigt die Modedesignerin Christine Frischmuth, die durch ihren evangelischen Glauben Antrieb erhält, nachhaltige Mode zu entwerfen.

"Die Textilindustrie ist die zweitgrößte Industrie nach der Autoindustrie und die zweitdreckigste hinter der Ölindustrie", beschreibt Christine Frischmuth die momentane Situation. Sie ist Schneidermeisterin, Modeschöpferin und Unternehmerin und betreibt ihr Ladengeschäft "frischmut", in der Friedrichshafener Eugenstraße. Das Besondere ist, dass sie fair gehandelte Mode herstellt und verkauft. "Wir versuchen so ehrlich wie möglich zum Kunden zu sein und Wertschöpfungsketten möglichst offen darlegen", betont Frischmuth. Das beinhalte nicht nur das Garn, sondern auch die Farbe, Knöpfe, Lederapplikationen und vieles mehr. Neben dem Material legt sie aber auch Wert auf faire Arbeitsbedingungen für die Herstellung. "Es ist schlichtweg unmöglich, ein Shirt fair bezahlt und ökologisch vertretbar für 9,90 Euro herzustellen", erklärt Christine Frischmuth und rechnet vor, was allein der Arbeitsaufwand und damit die verbundenen Lohnkosten an einem Ringelshirt ausmachen.

Christine Frischmuth zeigt eines der Stücke aus ihrer Kollektion: modisch und elegant.

Die Motivation von Christine Frischmuth ist vielschichtig. Die studierte Maschinenbau, arbeitete früher in einer großen Firma. Schon damals arbeitete sie an Projekten, die einen klaren Mehrwert hatten, etwa Klärschlämme effektiver und anders zu nutzen. Dann wechselte sie in den Schneiderberuf. "Schneider ist mehr eine Berufung als ein Beruf. Der Beruf ist hart, es ist vielen Leuten nicht bewusst, wie viel Arbeit es ist, ein so qualitativ hochwertiges Produkt herzustellen", erklärt sie. Und genau hier sei der Ansatz von "frischmuth". Sehr oft sei ein Argument der Kunden gegen fair gehandelte Kleidungsstücke, dass die Ware zu teuer sei. Wenn man aber nicht nur den Preis betrachte, sondern auch eine Zeitachse mit in Betrachtung zieht, sehe die Sache schon anders aus, so Frischmuth: "Ein T-Shirt für 10 Euro ist nach einem Jahr kaputt oder total verwaschen. Das liegt einfach an der Qualität der Materialien und der Verarbeitung.

Auf Baumwolle lässt sich verzichten

Ein qualitativ hochwertiges Shirt kostet zwar 70 Euro, hält aber um das Vielfache länger", rechnet sie vor. So würde es sich im Endeffekt wieder ökonomisch rentieren mehr zu investieren, von der ökologischen Seite mal ganz abgesehen, wiegt sie auf. So könne zum Beispiel die Baumwollproduktion weltweit eingestellt werden, Mengenkapazitäten, Technik und neue Materialien würden dies zulassen, so Frischmuth. Ein glänzendes Beispiel hierfür sei die Sizilianerin Adriana Santanocito, die aus Orangenschalen einen matten Twill-Stoff herstellt. "Gerade in der älteren Generation werden synthetische Fasern als umweltschädlich angesehen. Dabei sind industriell gefertigte Fasern fast immer ökologischer als Baumwolle", erklärt die Schneiderin.

Die Industrie könne also, wenn sie denn wollte, von Baumwolle abrücken, auf Qualität anstatt auf Quantität setzen. Dem stehe aber die Kurzlebigkeit der Mode, den Trends und Schnitten entgegen. Doch dies sei nur ein Scheinargument, so Christine Frischmuth. Mit den klassischen und zeitlos eleganten Schnitten ihrer Kollektionen könne man trotzdem modisch sein. "Wir können und wollen nicht jeden Trend mitmachen", sagt sie, sie schotte sich aber nicht ab, sondern lasse sich inspirieren und nehme gerade bei Messen viel mit. So auch auf der "Blickfang", einer internationalen Designmesse für Möbel, Mode und Schmuck in Stuttgart. Hier könne man sich über die fair gehandelte Kleidung informieren, Kontakte knüpfen und auch einkaufen.

"Jeder schreibt sich heutzutage Nachhaltigkeit auf das Schild, es ist aber extrem schwer sie auch einzuhalten", die Unternehmerin. Aber gerade die sei enorm wichtig, man habe eine Verantwortung für die Zeit, in der man auf diesem Planeten ist. So müsse von vielen erst wieder ein gewisser Konsumverzicht gelernt werden, vor allem von der Jugend. "Die Kleiderschränke sind viel zu voll. Niemand braucht so viele Kleidungsstücke", erklärt sie und führt weiter aus: "Die großen Händler und Mode-Labels müssen den Markt befeuern, um ihren Umsatz zu erhöhen oder zu halten". Auch auf Messen falle ihr der hohe Drang an neuen Schnitten, Farben und Mustern auf. "Dieses Jahr ist die Trendfarbe Gelb, aber warum und wer das bestimmt, das weiß ich nicht", sagt die Designerin und lässt sich lieber inspirieren anstatt einfach einem Trend zu folgen. Der Konsument müsse vielmehr eine bewusste und möglichst informierte Entscheidung treffen, was er möchte, welche Qualität er wünscht und generell welche Ansprüche er an seine Kleidung hat. "Viele werden da gerne von der Werbung und der Industrie an die Hand genommen, was an ihnen gut aussieht oder ohne welche Kleidung sie nicht mehr Up to date sind", meint Christine Frischmuth.

Nachhaltige Mode von Christine Frischmut.

Sie denke gerne selbst und lasse nicht denken, möchte sich des eigenen Verstandes bedienen, das sei auch eine Grundlage für ihre Arbeit. "Im kreativen Prozess gibt es ja auch etwas unerklärliches, diese Gabe, diese Fähigkeit. In jedem steckt dieser Funke, er kann geformt werden. Gelernt werden kann das aber nicht", beschreibt sie. Ihr evangelischer Glaube spiele hier auch etwas hinein: "Der kreative Prozess wird mir irgendwoher geschickt. Etwas eigenes, nie Dagewesenes zu erschaffen, das kann man nicht lernen, das kommt von woanders her". Ihr Glaube gebe ihr daher auch Antrieb.

Und diesen Antrieb brauche sie auch in dem sehr harten Geschäft. "Für kleine Designer ist es sehr schwer, die Lieferanten zu überzeugen, die eigenen Überzeugungen mitzutragen, dass er die 500 Meter Stoff für uns mitproduziert", zeigt Frischmuth eines der Probleme auf: "Wenn jede Frau in Deutschland ein Shirt von uns kaufen würde, könnten wir damit eine Näherei beschäftigen", verdeutlicht sie die Dimensionen, in denen in der Textilindustrie produziert wird. Das Feedback der Kunden sei gut, aber sie könnten noch viel mehr machen. Der Produktion seien durch die personellen Möglichkeiten Grenzen gesetzt, viele Nähereien würden ins Ausland gehen. "Es gibt große Automation, aber schlussendlich sitzt hinter jeder Nähmaschine eine Person.

Wenn man diese anständig bezahlen will, wird es sehr schwer. So kommen dann auch die Preise zustande", erklärt sie. "Wir wollen auch das Handwerk des Schneiders erhalten, die Wertschätzung hierfür hat enorm abgenommen. Früher gab es fast in jeder größeren Stadt eine Meisterschule, heute werden sie bundesweit zusammengefasst", beschreibt Frischmuth die Situation und beklagt auch, dass viele junge Menschen zwar den Beruf erlernen möchten, die Kapazitäten aber nicht gegeben sind. "Wenn wir weiter expandieren wollten, müssten wir auslagern, Agenten und Zwischenagenten einschalten, um die Kontrolle über unsere Standards und Vorstellungen zu erhalten. Das würde nicht funktionieren", so Frischmuth über die Möglichkeiten für ihren Laden zu wachsen.

Faire Mode, ein Thema das jeden etwas angeht, da es auch jeden betrifft, sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Es sind grundlegende Ansichten und Werte damit verbunden, die bewussten Konsum und nachhaltiges Denken animieren. Mit einem starken Willen kann etwas bewegt werden, die Möglichkeiten sind da.