Sternenkind-Fotograf: "Es ist das reine Mitgefühl"

Fotografen dein Sternenkind

Foto: ALIBABA-Medien/Kai@KAI-GEBEL.COM

Sternenkinder sind Kinder, die tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben. Diese Erfahrung ist für die Eltern unfassbar traurig. Um hier Anteilnahme zu zeigen hat der Fotograf Kai Gebel die Initiative "Dein Sternenkind" ins Leben gerufen. Er möchte den Eltern Erinnerungsfotos von ihren Kleinen zum Geschenk machen. Solche Bilder können beim Trauerprozess sehr unterstützen.

Sein erstes Sternenkind fotografierte Gebel im Jahr 2012. "Das war extrem berührend. Es hat mich damals in meinem Denken und Fühlen, in meinem Alltag, bestimmt vier bis sechs Wochen lang beschäftigt", sagt der Fotograf und Filmer aus Seeheim-Jugenheim (Südhessen). Die Eltern, die sich damals bei ihm gemeldet hatten, kamen mit ihm über die amerikanische Initiative "Now I Lay Me Down to Sleep" in Kontakt.

Diese schon länger existierende Organisation hatte damals nur vier Fotografen für Deutschland. Das sind nicht genug, dachte sich Gebel. So entstand der Wunsch seine eigene Initiative zu gründen: "Dein Sternenkind" wurde Anfang 2013 ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es ein bundesweit aktives Netzwerk, bei dem über 630 Fotografen und Fotografinnen registriert sind. Von über 800 Sternenkindern konnten so in den letzten Jahren Bilder gemacht werden.

"Es sind die kleinen Dinge, die dann zählen"

Die Mitglieder der Initiative arbeiten alle ehrenamtlich und stellen ihre Zeit kostenlos den Eltern zur Verfügung. "Wir haben im Team Menschen mit einem so riesigen Herz, die fahren auch mal 200 Kilometer einem Termin. Mieten sich noch ein Auto dafür, weil sie keins haben", sagt der Initiator.

Gebel ist selbst Vater von sechs erwachsenen Kindern. Er selbst hat nie den Schicksalsschlag erlebt, Vater eines Sternenkinds zu sein. Doch kann er sich kaum vorstellen, dass Eltern etwas Schmerzlicheres erleben können. "Es ist das reine Mitgefühl", was ihn antreibt. "Ich habe halt die Möglichkeit als Kameramann, ich habe das Auge, die Technik - und ich kann den Eltern mit einem Erinnerungsfoto von ihrem Sternenkind etwas geben, was für sie unglaublich wertvoll sein kann."

Durch die Pränataldiagnostik wissen heutzutage manche Eltern bereits früh, was auf sie zukommt, wenn ihr Kind eine Fehlbildung oder eine lebensbedrohliche Krankheit hat. "Doch in 85 Prozent der Fälle melden sich Eltern bei uns, wenn es ganz schnell gehen muss, weil es beispielsweise plötzlich keine Herztöne mehr gibt", sagt Gebel. Dann wird durch eine App der Fotografen-Pool aktiviert, der in der Nähe der Eltern in Einsatz ist. "Teilweise dauert es keine halbe Stunde, dass jemand von uns im Krankenhaus ist." Schön ist es schließlich, wenn es gelingt, das noch lebende Kind zu fotografieren. Die Eltern können sich dann auch wünschen, dass ein paar Videosequenzen gedreht werden.

Dies kommt öfters vor, wenn die kleinen Sternchen bei der Geburt noch leben und die Eltern sich eine Nottaufe wünschen. "Es sind die kleinen Dinge, die dann zählen", sagt Anna Lisa Chang, die als Fotografin für "Dein Sternenkind" in Österreich, Raum Graz, aktiv ist. Die Schwestern würden die Taufen sehr schön gestalten, mit selbstgebastelten Taufkerzen. Die berührenden Videos, die dabei entstehen, können sich viele Eltern erst nach langer Zeit der Trauer ansehen.

"Alles, was geboren wird, hat das Recht verabschiedet zu werden"

Die junge Fotografin hat schon elf Sternchen fotografiert. Wenn sie in einem Krankenhaus ankommt, muss sie im ersten Moment schon schlucken. Doch dann fängt sie an zu arbeiten und die Eltern sind häufig ganz fassungslos vor Dankbarkeit, dass jemand in so schwerer Stunde zu ihnen kommt, da ist und helfen will, dass ihr Kind in Würde verabschiedet werden kann. Zwei Mal war Chang dabei, als ein Kind gestorben ist: "Diese Momente beschäftigen mich natürlich noch lange." Doch die Fotografin, selbst Mutter von zwei gesunden Kindern, sagt, sie könne es aushalten, den Schmerz der Eltern mitzutragen.

Auf der Facebook-Seite der Organisation schreiben immer wieder betroffene Eltern, wie gut es ist, dass es Fotos von ihren für immer geliebten und nie vergessenen Kindern gibt. "Dein Sternenkind" hat so auch im Jahr 2014 die Auszeichnung "pulsus" gewonnen: "Es sei eine Initiative, die sich ganz unmittelbar an die Betroffenen wendet - und ihnen zärtliche, traurige aber auch sehr einfühlsame Erinnerungen und Augenblicke hinterlässt", lobte Professor Wolfgang Henrich, Direktor der Geburtskliniken an der Charité (Berlin) in seiner Laudatio.

Eine Mutter von zwei Sternenkindern ist Vanessa Ross. Ihre Zwillingsmädchen Anni und Hailey wurden im August 2014 tot geboren. "Wir mussten die schlimmste Erfahrung unseres Lebens machen", schreibt Ross auf ihrer Website. Unter einem Foto von ihren zwei Mädchen steht dort: "Meine zwei Prinzessinnen. Ihr durftet nur 8 Monate in meinem Bauch wohnen und seid dann wieder zurück zu den Sternen geflogen. Wir vermissen euch sehr und es tut so weh, dass ich es nicht in Worte fassen kann." Im Video beschreibt die damals 29-jährige Mutter sehr offen und berührend, wie es für sie war, ihre Mädchen zum ersten Mal zu sehen. Sie auch bei sich zu Hause zu haben, sie zu waschen, zu kleiden und sich zu verabschieden.

Sie weiß auch nicht genau, woher der Impuls kam, nähen und häkeln konnte sie damals noch gar nicht, aber sie hatte nach der Verabschiedung ihrer Mädchen das ganz dringende Bedürfnis Kleidung für andere Sternenkinder zu nähen. Denn leider kommt es noch sehr häufig vor, dass totgeborene Kinder nicht angezogen werden, da es für so kleine Menschen keine Kleidung zu kaufen gibt. "Alles, was geboren wird, hat das Recht verabschiedet zu werden und gekleidet zu werden. Da gibt es keine Untergrenze", sagt Ross.

Fotos, auf denen die kleinen Sternenkinder schön gekleidet sind – dies mag den Eltern helfen zu trauern und sich immer wieder in Liebe zu erinnern. "Dein Sternenkind" soll noch europaweit ausgedehnt werden, denn das Interesse steigt enorm, sowohl von Seiten der Eltern als auch von Krankenhäusern, sagt Gebel. Bisher gibt es registrierte Fotografen auch in Österreich, Luxemburg, in der Schweiz und auf Mallorca. Weitere Fotografen und Fotografinnen, die mitmachen wollen, werden immer gesucht. Sie können sich auf der Website bewerben.

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