Theologe: Ökumene ein Vorbild für Dialog zwischen Christen und Muslimen

Der evangelische Theologe Volker Leppin sieht in der Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken ein Vorbild für ein besseres gegenseitiges Verständnis von Christen und Muslimen.

Bereits im 16. Jahrhundert habe sich in den Kirchen der Begriff der Toleranz gegenüber der jeweiligen Minderheit herausgebildet, erläuterte der Tübinger Professor am Donnerstag anlässlich einer Tagung über die Reformation in Osnabrück. Allerdings habe sich erst langsam aus einem eher pragmatischen Nebeneinander der Konfessionen das von Wertschätzung geprägte Miteinander heutiger Tage entwickelt.

Eine der wichtigsten Fragen sei derzeit, "inwieweit der Islam sich als europäischer Islam auf diese Toleranz einlässt". Die Offenheit vieler muslimischer Intellektueller wie dem Schriftsteller Navid Kermani oder der Wissenschaftler in den Zentren für Islamische Theologie stimmten ihn optimistisch, erläuterte Leppin.

In der öffentlichen Debatte werde häufig übersehen, dass ein großer Teil des Islam dem europäischen Toleranzbegriff sehr offen gegenüberstehe. "Wenn uns gelingt, das gemeinsam zu stärken, wird sich natürlich unsere Gesellschaft ändern", betonte der Reformationsexperte. Dann gelte der Satz, dass der Islam zu Deutschland gehöre. "Damit werden wir leben müssen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, aber in unserer Gesellschaft können wir das auch."

Das gelte auch trotz der lauter werdenden Ressentiments in Teilen der Bevölkerung, betonte der Theologieprofessor. Die junge Generation wachse ganz selbstverständlich mit verschiedenen Kulturen und Religionen auf. "Wenn man heute in eine Grundschule geht, erlebt man, wie dort Kulturen zusammengeführt werden. Das ist die Realität in Deutschland."

Für eine Weiterentwicklung der Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten sieht Leppin eine große Chance in den Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im kommenden Jahr. Die zentralen Veranstaltungen würden in einer Region um Berlin und Wittenberg gefeiert. Dort seien nur rund 20 Prozent der Bevölkerung Christen. "In so einer Situation denkt man vielleicht nicht mehr so sehr über die Differenzen nach, sondern stärker über das, was uns miteinander verbindet."

Bei der Tagung "Miteinander leben? Reformation und Konfession im Fürstbistum Osnabrück 1500 bis 1700" diskutieren vom 3. bis 5. März Historiker, Kunsthistoriker und Theologen über die Besonderheiten der Osnabrücker Reformationsgeschichte. Dort entwickelte sich anders als in den meisten Territorien des Reiches schon in den 1540er Jahren eine gemischtkonfessionelle Gesellschaft.