Video-Aufnahmen aus Unglücks-Zug in "Tagesschau" umstritten

Medienethische Debatte nach dem Zugunglück von Bad Aibling: Der Chefredakteur von ARD Aktuell, Kai Gniffke, rechtfertigte die Verwendung eines Videos aus dem Unglücks-Zug für die 20-Uhr-"Tagesschau". Viele Kommentatoren seines Internetblogs können diese Entscheidung indes nicht nachvollziehen.

Das Erste hatte am Dienstag Ausschnitte eines Youtube-Videos gesendet, das ein Fahrgast unmittelbar nach dem Unglück mit zehn Toten im Zug gedreht hatte. In dem ohne Ton gesendeten Film sind lediglich wackelige Bilder vom Abteil ohne Menschen zu erkennen. Im anschließend gesendeten "Brennpunkt" aus München wurde das Video nicht gezeigt.

Gniffke erklärte in seinem Blog, die Redaktion habe sich nach intensiver Diskussion dazu entschieden, "nur eine Sequenz ohne Bilder von Verletzten und ohne Ton zu zeigen". Mit diesem "Kompromiss" habe man sowohl dem journalistischen Informationsauftrag gerecht werden als auch den Opfern mit Respekt begegnen wollen. Auf keinen Fall habe man Weinen, Stöhnen und Hilferufe der Verletzten dokumentieren wollen, andererseits habe das Bildmaterial die Berichterstattung "ergänzt".



Der Bayerische Rundfunk entschied sich, die Bilder im anschließenden "Brennpunkt" nicht zu senden. Der "Brennpunkt" solle "einen Mehrwert an Information und Hintergrund bieten", hieß es zur Begründung aus München. Auch sollten Doppelungen mit der vorherigen "Tagesschau" möglichst vermieden werden. "Eine Wiederholung des in der 'Tagesschau' gezeigten Videos hätte diesem Anspruch nicht genügt", sagte der stellvertretende BR-Pressesprecher Markus Huber dem Evangelischen Pressedienst (epd).  Für die "Tagesschau" ist die Redaktion ARD Aktuell beim NDR verantwortlich.

Das Originalvideo dokumentiert laut ARD den Schockzustand, das Trauma und die Verletzungen der Menschen im Zug. Die Bilder der Opfer, ihr Wehklagen und Rufen über Minuten seien nur schwer zu ertragen, schrieb Gniffke. In mehr als 140 Kommentaren auf seinen Blog kritisierten Zuschauer vor allem einen mangelnden Erkenntniswert des Videos und Sensationsheischerei, einige äußerten aber auch Zustimmung zur ARD-Entscheidung.