Diakonie-Präsident Lilie wirbt für "Ankommenskultur" für Flüchtlinge

Mohamed aus dem Sudan heftet am 14.09.2015 in der Rosensteinschule in Stuttgart ein Schild an eine Tafel auf der "Hallo! Deutschland" steht.

Foto: dpa/Wolfram Kastl

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie plädiert dafür, von einer Willkommenskultur für Flüchtlinge zu einer "Ankommenskultur" zu gelangen.

Der evangelische Theologe sagte am Mittwochabend in Düsseldorf, "wenn es für uns ganz selbstverständlich ist, zu dem Flüchtling im Nachbarhaus zu gehen und ihn danach zu fragen, ob er ein bisschen Zucker hat oder am nächsten Tag mal unseren Hund ausführen kann, dann sind die Flüchtlinge tatsächlich in Deutschland angekommen".

Mit Blick auf die zukünftige Integration der Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft sprach sich der Präsident der Diakonie Deutschland für eine "neue Kultur der Improvisation" aus. Eine möglichst rasche Integration sei sicherlich nicht bei der Beibehaltung kleiner Kita-Gruppen oder kleinerer Schulklassen machbar, sagte Lilie. Zentral sei jetzt, den Flüchtlingen in den Unterbringungseinrichtungen dabei zu helfen, die deutsche Sprache zu lernen und ihre schulische, universitäre oder berufliche Ausbildung schnellstmöglich anerkennen zu lassen.



"Wichtig ist, das die Flüchtlinge eine Struktur in ihrem Alltag finden", betonte der Diakoniechef bei der Veranstaltung des Instituts für Internationale Kommunikation: "Nur warten hilft ihnen nicht."

Lilie, der seit 2014 Präsident der evangelischen Wohlfahrtsorganisation ist, wies zudem auf Fehlinformation über die Situation in den EU-Ländern unter den Flüchtlingen hin. "Sie wissen nicht, was in diesen Ländern los ist. Sie kommen mit irgendwelchen Ideen, die ihnen oft Schlepper erzählt haben", sagte der Theologe. Helfen könnten Beratungszentren auf den Fluchtrouten. Nur so könnten Flüchtlinge verbindliche Entscheidungen treffen, in welches EU-Land sie gehen.

Lilie beklagte zugleich "unhaltbare Zustände" an den Außengrenzen der Europäischen Union, "die uns nur beschämen können". Der Diakonie-Chef kritisierte "einen Verlust an Menschlichkeit". Die Kirche sei gefordert, sich zum Anwalt für die an den Außengrenzen ausharrenden Menschen zu machen und "die Menschenrechte zu verteidigen und zurückzuerobern".