EKD-Vize Kurschus: Militärgewalt keine Lösung gegen Terror

Taube und Militärhubschrauber am Himmel.

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Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, warnt vor militärischen Reaktionen auf die Anschläge von Paris. Eine Spirale der Gewalt helfe nicht, zu einer Lösung zu kommen, sagte Kurschus dem (epd) in Bielefeld.

Mehr Gewalt werde auch mehr Gewalt erzeugen. Sie befürworte aber alle Maßnahmen, die dem Schutz der Bevölkerung dienen.

Lieber frei und verletztlich statt überwacht

Trotz der Terrordrohungen der islamistischen IS-Miliz wirbt Kurschus für den Erhalt einer offenen und freien Gesellschaft. Das mache zwar angreifbar und verletzlich, sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Dieses Wagnis sei ihr aber lieber, "als dass wir eine überwachte Gesellschaft werden".

Die 52-jährige Theologin wandte sich gegen eine Begrenzung der Flüchtlingsaufnahme. "Bei welcher Zahl sollten wir einen Stopp machen?", sagte sie. Die Flüchtlinge dürften zudem nicht unter einen Generalverdacht gestellt werden.

Auch der Islam werde in Deutschland ein Zuhause finden

Durch die anhaltende Flüchtlingszuwanderung wird sich die deutsche Gesellschaft nach Einschätzung der Präses verändern: "Wir werden eine stärker gemischte Gesellschaft werden, in der Fremde selbstverständlich dazugehören", sagte sie. Auch der Islam werde "in Deutschland ein Zuhause finden, weil ganz einfach viele Muslime hier leben". Es liege womöglich auch eine Chance in dem Umstand, dass das Christentum auch in Deutschland eine von mehreren Religionen sei: "Unsere Kirche wird vielleicht kleiner, aber selbstgewisser."

Für unaufgebbar hält Kurschus bei allen Veränderungen die im Grundgesetz verankerte Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen. "Ein hohes Gut unseres christlichen Abendlandes ist auch die Mündigkeit jedes Menschen, das Recht auf Bildung", betonte die stellvertretende EKD-Ratschefin. "Jeder soll sich eine eigene Meinung bilden und Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen können."