Bischöfe: Beten hilft Schock und Angst zu bewältigen

Am Bußtag sollen Terrorgefahr und Flüchtlingskrise im Fokus stehen
Zum Gebet gefaltete Hände einer jungen Frau.

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Die Flüchtlingskrise und die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus werden den evangelischen Buß- und Bettag an diesem Mittwoch prägen.

Mit Blick auf die Terroranschläge von Paris sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Ritualisierte Momente der Rückbesinnung und der Unterbrechung wie der Buß- und Bettag sind gerade jetzt wichtig und entsprechen dem Bedürfnis vieler Menschen nach einem geistlichen Grund." Die zahlreichen Gedenk- und Friedensandachten nach den Anschlägen würden den Menschen helfen, "den Schock und die Angst zu bewältigen und ins Leben zurückzufinden", betonte Meister.

Zur Flüchtlingskrise sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, "die vielen tausend Menschen, die derzeit auf der Flucht vor Hunger, Terror und Verfolgung sind und die unter anderem Zuflucht in Deutschland suchen, führen uns vor Augen, wie viel Gewalt und Ungerechtigkeit es in der Welt gibt". Der 18. November könne ein Datum sein, "an dem wir uns verpflichten, dass wir dieses Unrecht nicht länger gewillt sind hinzunehmen", sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Buß- und Bettag.

Paris: Angriff auf die Menschlichkeit

Der Kasseler Bischof Martin Hein sagte, angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation könne beten Menschen in ihrer Hilfe bestärken, Ängstliche in Bewegung bringen und allen die Angst nehmen. Gottes Hilfe könne den Menschen Mut geben, neue Wege der Hilfe zu gehen, ergänzte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Als Beispiel nannte Hein die Öffnung der Kirchen im Winter für Menschen, die kein Dach über den Kopf hätten. "Wir schaffen das - aber nicht allein", ermutigte Hein die Gemeinden.

Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher rief die Gemeinden auf, in den Buß- und Bettagsgottesdiensten für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde zu beten. Die Terroranschläge von Paris seien nicht nur ein Angriff auf die europäische Kultur und Lebensart, sondern auch auf die Menschlichkeit, schrieb der Theologen an die 145 reformierten Kirchengemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu.

Die Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und die bayerische Landeskirche erinnern an den Buß- und Bettag seit einigen Jahren mit einer Öffentlichkeitskampagne. Das diesjährige Plakatmotiv zur Aktion zeigt zum Gebet gefaltete Hände, darunter die Frage "Machtlos?". Das Motiv ist auf der Internetseite, auf Flyern und in Zeitungsanzeigen zu sehen.

Das Plakatmotiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der bayerischen Landeskirche zum Buß- und Bettag.

Der Buß- und Bettag ist seit einigen Jahren kein arbeitsfreier Feiertag mehr, mit Ausnahme von Sachsen. Bundesweit laden viele Gemeinden meist am frühen Abend zu Andachten ein, um auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Dabei stehen traditionell Besinnung, kritische Lebensbilanz und Neuorientierung im Mittelpunkt.

Der Feiertag wurde vor 20 Jahren zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen. Mehrere Initiativen zur Wiedereinführung des arbeitsfreien Feiertages blieben ohne Erfolg.

aus dem chrismonshop

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