Moderator Krauthausen kritisiert Berichterstattung über Behinderte

Der Autor Raul Krauthausen zu Gast in der WDR Talkshow Kölner Treff 2014 in Köln.

Foto: imago/Horst Galuschka

Raul Krauthausen setzt sich für Inklusion und Barrierefreiheit ein.

Die Debatte über die Inklusion von Menschen mit Behinderung wird nach Ansicht des TV-Moderators Raul Krauthausen überwiegend als Problemdebatte geführt.

In den Medien werde vor allem über "fehlendes Geld und fehlende Fachkräfte" berichtet, sagte der Berliner Aktivist am Donnerstag auf der Nürnberger Kongressmesse ConSozial 2015. Deutschlands größter Treffpunkt der Sozialbranche stand zwei Tage lang unter dem Motto "Selbstbestimmt leben, Inklusion gestalten, Soziales pflegen".

Berichte über Menschen mit Behinderung seien von wenig Realitätssinn gekennzeichnet. Behinderte seien entweder "Superhelden, also Superkrüppel" wie etwa Teilnehmer der Paralympics, oder sie seien "Sorgenkinder", die tapfer ihr Leben meisterten, sagte Krauthausen, der selbst die Glasknochenkrankheit hat und deshalb im Rollstuhl sitzt.



Krauthausen warb in Nürnberg für eine andere Sicht auf Menschen mit Handicap. "Ich gehe nicht jeden Abend weinend ins Bett. Ich führe ein glückliches Leben." Der umtriebige Kommunikationswirt hat vor vier Jahren die Smartphone-App "Wheelmap.org" entwickelt. Die Online-Karte hilft, rollstuhlgerechte Orte, vom Buchladen über Cafés bis zu Kino und Supermarkt zu finden. Krauthausen wurde im Jahr 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Krauthausen spießte die häufig benutzte Vokabel "an den Rollstuhl gefesselt" auf. "Für mich bedeutet der Rollstuhl Freiheit und Selbstständigkeit." Er fühle sich erst dann gefesselt, "wenn er mir geklaut wird". Der Aktivist witzelte: "Wenn Sie einen gefesselten Rollstuhlfahrer sehen, binden Sie ihn los und rufen Sie die Polizei."